Das interview des Monats: Wildpflanzenmarkt auf dem Andreasplatz mit Susi Rüedi

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QV-innerstadt (QV): Bitte erzähle etwas über die Anfänge.

Susi Rüedi (SR): Ich habe damals am Andreasplatz gewohnt, im einzigen nichtluxuriös renovierten Haus. Ich bin da 1985 als Biologiestudentin eingezogen, zusammen mit andern Biologiestudenten. Es war Schweizerhalle- und Tschernobyl-Zeit und ich war engagiert in den verschiedenen Bürgergruppierungen. Der Verein Oekostadt hat mir dann besonders zugesagt und zwar weil man nicht gegen, sondern für etwas war. Also man hat nicht gegen die bösen Chemiefirmen gekämpft, sondern hat andere Lebensformen gesucht und hat sich für eine lebendige Stadt engagiert. Damals gab es noch kein Tempo-30, keine Glassammelstellen und kein gemeinsames Kompostieren. Da wurde auch von unten her etwas an die Stadtverwaltung herangetragen, das neu war, und auch in der Kommunikation hat man da vorwärts gemacht. Im Vorstand von Oekostadt waren auch die Professoren Gunther Wolff und Danilo Clamer; das waren Leute, die sehr auf Dialog gesetzt haben. Das war neu für die Verwaltung.

QV: Und wie bist du auf Wildpflanzen gestossen?

SR: Ich habe jeweils im Botanischen Garten gebettelt für überzählige Setzlinge und die gesammelt. Dann habe ich während meinen Velotouren für die Diplomarbeit das eine oder andere Pflänzlein mitgenommen direkt aus der Natur, habe es zu Hause eingetopft und das ist alles sehr gut gewachsen.
Als frisch gebackene diplomierte Biologin habe ich überlegt, ob ich etwas mit Wildpflanzen tun könnte anstatt mit holländischem Treibhausgrün. Ich habe dann aus eigener Initiative diesen Wildpflanzenmarkt angefangen und habe ihn im ersten Jahr in vier verschiedenen Quartieren abgehalten. Einen ganzen Monat war ich so unterwegs, eine Woche Tellplatz, eine Woche Allschwilerplatz, eine Woche Sankt Johann und eine Woche Matthäusplatz im Kleinbasel. Es war anstrengend, aber toll. Ich hatte da ein sehr kleines Sortiment mit drei Wagen mit 40 Arten Pflanzen darauf und ein paar Gewürzpflanzen. Dann wurde ich schwanger und da überlegte ich: wie mache ich das, einen ganzen Monat auch mit dem Kind unterwegs zu sein? Es war aber so, dass der Markt gleich von Anfang an ein Erfolg war.
Da dachte ich, ich könnte diesen Markt ja direkt vor der Haustüre auf dem Andreasplatz abhalten. Seither gibt es diesen Markt hier auf dem Andreasplatz. Also im zweiten Jahr habe ich ein 4 Monate altes Buschi an den Rücken geschnallt und habe diesen Markt einfach durchgezogen. Und jedes Mal wenn meine Mutter kam zum Hüten und das Kind musste in die Wohnung, hat es angefangen zu schreien; es war lieber draussen (lacht). Und so ist der Markt kontinuierlich gewachsen; wir sind jetzt ein Team von Landschaftsarchitektinnen, Gärtnerinnen und Biologinnen die diesen Markt schmeissen. Mit uns gewachsen sind die Lieferanten, unter anderen die Gärtnerei am Hirtenweg in Riehen, die es ohne uns wahrscheinlich kaum mehr geben würde.

QV: Was machst du, wenn du nicht Marktfrau bist?

SR: Ich selbst bin Biologielehrerin, habe das Thema Pflanzen schon lange in mein Tätigkeitsfeld aufgenommen. Ich habe während 20 Jahren für die Waldschule Basel Waldexkursionen durchgeführt. Ich habe auch während 15 Jahren Kindergärten und Schulen beraten, wie sie ihre Umgebung natürlich und naturnah gestalten können. Ich war da viel in kleinen Gemeinden unterwegs, in Basel-Stadt gibt es ja Behörden für das. Auch die Stadtgärtnerei in Basel konnten wir positiv beeinflussen. Als Emmanuel Trueb als Leiter der Stadtgärtnerei ganz jung ins Amt kam, hatten wir ihn hier, an meinem Küchentisch damals am Andreasplatz zum Kaffee eingeladen und haben mit ihm über Wildpflanzen debattiert. Die Stadtgärtnerei Basel war da immer sehr fortschrittlich; heute werden in den öffentlichen Rabatten Wildpflanzen gepflanzt. Das war damals noch nicht üblich. Es ist auch kostengünstiger als Wechselflor.
Bei mir selbst ist es jetzt so, dass meine Beine mich nicht mehr so weit tragen. Ich bin mit 21 Jahren unter ein Auto geraten und deshalb konzentriere ich mich jetzt mehr auf die Schule und arbeite in der Schule, statt in der ganzen Welt und im Wald herumzukraxeln. Beim Wildpflanzenmarkt kann ich natürlich vor allem im organisatorischen Bereich mitwirken, ich bestelle die Pflanzen und organisiere die Leute. Den Wildpflanzenmarkt gibt es mittlerweile schon stur seit 30 Jahren.

QV: Dann könnt ihr also dieses Jahr ein Jubiläum feiern?

SR: Ja, so ist es.

QV: Gab es nicht auch mal einen Wildpflanzenmarkt in Liestal?

SR: Ja, als unser Markt am Anfang so gut lief, haben wir auch mal nach Liestal expandiert. Da waren wir eine Woche in Liestal und zwei Wochen in Basel unterwegs. Aber für mich als junge Mutter und Lehrerin und mit Gehbehinderung war das sehr anstrengend. Ich habe dann Pro Natura angefragt und seither machen sie das sehr gut weiter in mehreren Gemeinden in der Umgebung von Liestal. Sie nehmen mit eintägigen Ständen an Dorfmärkten teil, obwohl das dann ein relativ grosser Aufwand ist. Deshalb sind wir hier auch 14 Tage am Stück.

QV: Eure Lieferanten sind verschiedene Gärtnereien?

SR: Ja, da ist die Bio-Gärtnerei Hirtenweg in Riehen. Da bekommen wir viele mehrjährige Wildstauden und sie liefern die Küchenkräuter. Dann haben wir die Baumschule Bauer in Bottmingen mit einheimischen Sträuchern. Wir haben auch Kletterpflanzen aus ausländischen Florengebieten, dies aus ästhetischen Gründen, wie zB die Glyzinie, eine Pflanze die ursprünglich aus China kommt, oder wilder Wein, der aus Nordamerika stammt. Wir können nicht gut nur «Nielen» (gemeine Waldrebe) aus unserem Wald anbieten, wenn jemand eine Kletterpflanze sucht. Dann haben wir noch Samen von der Samengärtnerei Zollinger, eine Bio-Gärtnerei am Genfersee. Früher habe ich noch Samen spät abends selbst in Briefchen abgefüllt.

QV: Wie sieht die Zukunft aus?

SR: Ja, das geht sicher vorläufig so weiter, also nochmals 30 Jahre (lacht). Ich muss sagen, wir haben auch eine grossartige Unterstützung von der Stadtgärtnerei. Sie schicken uns Lehrlinge, die hier ihr sogenanntes «Verkaufspraktikum» machen können. Es hat immer so tolle junge Leute dabei, die sich da mit den verschiedenen Pflanzenarten und den Preisen und alles ohne Taschenrechner metzgen müssen und die machen das super gut. Auch wenn mich meine Beine mal nicht mehr so gut tragen werden, kann der Wildpflanzenmarkt auf ein grosses, kompetentes Team zählen.

Der Wildpflanzenmarkt ist noch bis Samstag 11. Mai auf dem Andreasplatz; jeweils von 10 bis 18 Uhr.

Marktplatz – neue Pflästerung

Wir haben es schon gehört: die Bsetzisteine auf dem Marktplatz werden erneuert. Angefangen wird auf der Seite gegen den Rhein. Nach verschiedenen Vorbereitungsarbeiten haben heute drei Pflästerer angefangen, die Alpnacher Quarzsandsteine zu setzen. Die bestehenden Ornamente auf dem Platz mit farbigen Steinen sollen exakt nachgebildet werden. Die Lücken zwischen den Pflastersteinen werden dann mit einer Sand/Kalkmischung ausgefüllt um den Steinen Halt zu geben. Dann kann man wieder über den Marktplatz gehen ohne zu stolpern.

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Frühlingsbeginn im Botanischen Garten – Führung mit Apéro

Am Donnerstag den 4. April waren unsere Mitglieder zu einer Führung mit anschliessendem Apéro im Botanischen Garten eingeladen. Zusätzlich konnten sich die Neuzuzüger im Quartier diesem Anlass anschliessen. Dies wurde von der Abteilung Stadtteilentwicklung im Präsidialdepartement organisiert. Zum Anlass haben sich etwa 45 QV-Mitglieder und 50 Neuzuzüger angemeldet. Wahrscheinlich wegen dem kühlen Wetter mit Schnee und Regen sind mehrere Personen dann nicht erschienen.
Gleich zu Beginn wurden drei Gruppen jeweils vom Leiter des Botanischen Gartens, Bruno Erny, sowie Edith Zemp und Florian Bertschi für eine gute Stunde durch den Botanischen Garten geführt. Obwohl die Vegetation draussen noch nicht sehr fortgeschritten war gab es in den Treibhäusern einige Interessante Pflanzen zu besichtigen, wie zB die Blüte der Aristolochia, siehe Bild unten.
Beim nachfolgenden Apéro wurden die Teilnehmenden und vor allem die neu Zugezogenen durch Olivier Wyss als Projektleiter Stadtteilentwicklung und durch unseren Präsidenten Urs Preisig begrüsst. Wir haben mittlerweile etliche positive Reaktionen von den Besuchern für den Anlass bekommen.

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Führung der roten Gruppe durch den Botaniker Florian Bertschi  (links).

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Im Viktoriahaus: Aristolochia grandiflora, Blüte aufgeschnitten.

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Im Tropenhaus (mit beschlagener Linse).

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Begrüssung der neu Zugezogenen durch Urs Preisig, rechts hinten Bruno Erny, Betriebsleiter des Botanischen Gartens und links Olivier Wyss, halb verdeckt.

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Zuhörende bei der Begrüssung im Foyer des Botanischen Gartens.

5’000 Unterschriften gegen die Lautsprecherbeschallung übergeben

Heute Morgen um 11 Uhr hat Peter Mötteli von der Referendums AG der Staatschreiberin Barbara Schüpbach im Rathaus  5’000 Unterschriften für das Referendum „Lautsprecherbeschallung NEIN“ übergeben. Das Paket scheint einiges an Gewicht zu haben.

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Fotos Peter Strub

Unser Dorfschugger, Wm Christoph Schmid als Gast am nächsten Hogg am Dienstag 2. April

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Als Ansprechpartner für unser Quartier (Community Policing) ist uns Wachtmeister Christoph Schmid zugeteilt. Er ist zuständig für City – Altstadt Grossbasel, Am Ring und Vorstädte. Stellen Sie ihm Fragen zu Sicherheit und Verkehr, er wird Ihnen gern Auskunft geben.

Am 2. April ab 19:30 im Restaurant Schlüssel

Von spanischen Fussgängerzonen und böhmischen Dörfern

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Hier weiss jede(r) was gemeint ist. Fussgängerzone Plaza de la Alfalfa in Sevilla, Spanien.

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Hier versteht man eher böhmische Dörfer…

Ein Lösungsvorschlag für mehr Lebensqualität in der Innerstadt

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Zwei Leserbliefe aus der BaZ, zugesandt von Peter Strub

Uriellas Rache am Nadelberg 12

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Aus onlinereports.ch

Hier der ganze Artikel:
http://www.onlinereports.ch/Faits-divers.116+M5c7c8adc65e.0.html

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http://www.onlinereports.ch/News.99+M580785eecd9.0.html

http://www.onlinereports.ch/Faits-divers.116+M5929a2653a1.0.html

Das Interview des Monats: Tilmann Schor als VAXI-Unternehmer

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Foto: Meret Buser

QV Innerstadt (QV): Til, wie heisst dein Velotaxi und wie ist dieses Verkehrsmittel entstanden?
Tilmann Schor (TS): Mein Velotaxi, was ein geschützter Begriff ist in Deutschland, nennt sich als Abkürzung VAXI. Zwei innovative Leute hatten in Berlin Kreuzberg um 1997 Velos nach dem Rikscha Prinzip wie in Indien so ausgebaut und mit einer PVC Verschalung versehen, dass hinter dem Fahrer noch zwei Fahrgäste bequem Platz hatten. Man hat die Fahrzeuge dann nach dem Franchising System an Leute ausgeliehen die sich auf diese Weise selbständig machen wollten. Das funktioniert aber nur gut wenn man auf dem Fahrzeug Werbung anbringt und auf diese Weise die Unterhaltskosten decken kann. Bei der Klassifizierung wurden diese Fahrzeuge in Deutschland als Fahrrad zugelassen.
QV: Und dies mit Elektro-Unterstützung?
TS: Die Elektro-Unterstützung ist vor allem nötig mit Passagieren zum Anfahren und bei Steigungen. Bei den Rikschas, so wie in Delhi, rennt der Fahrer zuerst neben dem Fahrzeug her bis es eine gewisse Geschwindigkeit hat, die haben keine Motoren.Da wir praktisch immer im Schritttempo fahren, erschrecken wir keine Fussgänger. Wir regen darum seit Jahren dazu an, Velotaxis in der Fussgängerzone fahren zu lassen oder festgelegte Touren durch die Innenstadt bewilligt zu bekommen.
QV: Wie viele Fahrzeuge und Fahrer sind bei dir im Dienst?
TS: 1-3 VAXIs sind als Taxidienst von Donnerstag bis Samstag unterwegs. Während der grossen Messen, wenn wir als Gratis-Shuttle engagiert sind, sind bis 5 VAXIs unterwegs.
QV: Gibt es Unfälle?
TS: Bis heute verkehren die Velotaxis weltweit unfallfrei. Allerdings kursiert eine Geschichte, die einem Rikschapionier in New York passiert sein soll. Der Erfolg war gross und seine Flotte wuchs und wuchs, bis eines Tages ein Touristenbus eine Rikscha rammte. Die Fahrgäste nahmen Schaden und die Kosten waren gewaltig. Der Unternehmer hatte keine Versicherung, was ihn finanziell das Genick brach.
QV: Wie ist es hier mit der Versicherung für das VAXI?
TS: Natürlich haben wir eine Versicherung, da gibt es Vorschriften. Die Kosten sind relativ hoch, wenn man berücksichtigt, dass wir sehr langsam, vornehmlich auf ungefährlichen Strassen, bei Tageslicht und schönem Wetter unterwegs sind. Egal, wir tragen eine Verantwortung unseren Fahrgästen gegenüber, sie sicher ans Ziel zu bringen.
QV: Du bist also Gründer deines Unternehmens und musstest dir dazu die geeigneten Fahrzeuge beschaffen. Hast du diese selbst gebaut oder sie fixfertig eingekauft?
TS: Das käme viel zu teuer wenn man solche Fahrzeuge, die man für den Personentransport einsetzt, selbst bauen würde. Und zwar wegen der Verkehrszulassung. Diese müssten bis ins Detail von Experten geprüft werden und das ginge in die zehntausende an Kosten für diese Tests.
QV: Also du kauft diese Velotaxis im Handel ein?
TS: Ja, das war so: An der Expo 2002 in Biel hat man 20 von diesen Fahrzeugen importiert. Es gab da ein Centre d’information sur la mobilité, welches die Geschichte promotete. Der Velo-Kurier in Biel hat die Fahrzeuge dann verwendet. Die RATP Paris hat dort zusätzlich auch Elektrobusse eingesetzt. Man hat also vor 17 Jahren anlässlich der Expo schon begonnen Elektrofahrzeuge einzusetzen.
Unsere Velotaxis sind mit ihrer langsamen Fahrweise gut geeignet für Fussgängerzonen. Die Velotaxis verloren nach der Expo02 ihren Verwendungszweck, weil es in den Schweizer Städten kaum Fussgängerzonen gab. Man hat die Fahrzeuge dann ins Ausland verkauft. Ich konnte 2011 zwei VAXIs zurückholen, mitsamt den Schweizer Zulassungspapieren. Sie mussten nur das gewöhnliche Wiederinverkehrsetzungsverfahren bei der MFK schaffen. Hätte ich sie neu eingekauft, hätte ich 3 bis 4’000 Franken ausgeben müssen für die Zulassungspapiere. Ein Velotaxi ist in der Schweiz als Motorrad klassifiziert. Das hat noch andere Auswirkungen. Bei einem Fahrverbot, wo Velos fahren dürfen, darf ich nicht fahren, weil mein Fahrzeug als Motorrad gilt. Geht es um die Sicherheit, dann wäre mein Vorschlag, die Velotaxis als Velo zu klassifizieren, aber zusätzlich zur periodischen Prüfung auf der MFK zu verpflichten.
QV: Dann darfst du also nicht in die „Fussgängerzone“ (Blaues Schild mit Frau oder Mann mit Kind) reinfahren?
TS: Nein. Interessant ist, in Freiburg im Breisgau heisst das Gleiche “Umweltzone”, wo Fahrzeuge, die weder Abgase noch Lärm verursachen, fahren dürfen. In der Schweiz wollte man das nicht, sondern hat “Fussgängerzonen” eingeführt
Der Begriff Umweltzone beschwört keine Probleme zwischen Fussgängern und Velofahrern herauf. Das Kredo der Umweltzone ist eben nachhaltige Mobilität. In der Schweiz sieht man bei Gemischtnutzung in Innenstädten nur die Konflikte und man regt sich über den Regelverstoss auf, wenn mal ein Velofahrer in der Fussgängerzone zwischen den Fussgängern durchfährt.
QV: Dann darfst du also nach 11 Uhr morgens nicht die Freie Strasse herunter fahren?
TS: Nein, im Prinzip nicht, da allgemeines Fahrverbot gilt. Allerdings hat man sich nach langem Debakel mit dem Sicherheitschef der Polizei darauf einigen können, dass wir als Velotaxis eine Taxi-Lizenz erwerben können. Da gibt es kleine und grosse Lizenzen und wir haben eine kleine. Das ist somit eine relativ gute Lösung. Wir können auf diese Weise unsere Fahrzeuge auch auf den Taxistandplätzen abstellen und Betagte oder mobilitätseingeschränkte Menschen in den Innerstadtgassen abholen.
QV: Dann sind ja alle Probleme gelöst?
TS: Nicht unbedingt. Es gab auch das Problem dass wir eigentlich relativ langsam sind mit unsern Velotaxis, wenn z.B. ein Tram hinter uns fährt. Die BVB hat sich dann auch eingeschaltet und wir mussten jahrelang kämpfen, dass wir über die Mittlere Brücke und die Greifengasse fahren durften. Wir mussten zuerst einen Umweg über die Riehentorstrasse fahren. Wir wollten eigentlich einen VIP-Service von der Basel-World in die Innerstadt einführen. Bei diesem Bewilligungsverfahren mussten wir uns auch intensiv mit Verkehrspolitik befassen. Nach mehreren Jahren hat es uns dann geholfen, dass die Clarastrasse und die Mittlere Brücke autofrei wurden, somit wir diese Strecke jetzt durchfahren dürfen. Weil unsere Radspur ein Meter beträgt, können wir genau auf den Tramschienen fahren. Da hat es keine Schlaglöcher.
QV: Wo wird das VAXI am meisten eingesetzt?
TS: Das Gerät sollte eigentlich am meisten an Messen eingesetzt werden. Wir sind auch an der Muba und Baselworld vertreten, erleben aber viele Einschränkungen. Velotaxis werden zum Beispiel in Hannover, Berlin und Frankfurt als Messegeländefahrzeug eingesetzt. In Basel wird das Velotaxi auf dem Messeplatz nicht toleriert. Ich habe mein Fahrzeug auf dem Messeplatz auch schon geschoben, da hat mich sofort ein Polizist vom Platz verwiesen unter Androhung einer Busse. Dass man ein Gerät, das eigentlich für diesen Zweck geschaffen wurde, in Basel nicht anwenden kann, macht mich traurig. Dabei hat man früher an der Muba schon Feldschlösschen-Bierwagen mit Pferden, Solarmobile und die kleinen Züge für Kinder auf Schienen auf dem Platz fahren lassen.
Möglicherweise hat es auch damit zu tun, dass mit der neuen Architektur der Raum unter dem grossen Loch (das Messe-Gebäude von Herzog & DeMeuron) ziemlich dunkel ist und das zu mehr Unfällen führen könnte und somit dort jeglicher Verkehr ausser dem Tram ausgeschlossen ist.
QV: Da hat es ja auch diesen Fahrservice von Mercedes, an der Isteinerstrasse während der der Art.
TS: Ja, genau. Die Leute reissen sich um die VIP-Tickets und wollen mit einem tollen Mercedes oder Tesla rumkutschiert werden. Dabei sehen sie durch die getönten Scheiben gar nicht viel von Basel. Das Ganze ist auch fragwürdig, dass der Velostadt Basel der Mercedesstern aufs Auge gedrückt werden kann. Der Service ist gratis, die Fahrzeuge, Fahrer und Hostessen sind alle aus Deutschland und schaffen somit in Basel keine Arbeitsplätze. Selbstverständlich dulden sie dann in der Isteinerstrasse keine Velotaxis, obwohl es dort ja mehr als genug Platz hätte.
Es gab am Anfang mal eine Zusammenarbeit mit Tourismus Basel, mit der Idee, Velotaxis an der Messe als Shuttles auf der Achse Messe-Innerstadt einzusetzen. Ein Jahr danach kamen aber Sicherheitsbedenken von Seiten BVB. Es dauerte 3 Jahre, bis die direkte Tour Mittlere Brücke zur Clarastrasse bewilligt wurde. Bei der Art Basel kamen wir dann beim Art-Walk wieder zum Zug, wo verschiedene Kunstwerke in der Stadt um den Münsterplatz aufgestellt sind. Die ganze Innenstadt als Messegelände zu sehen entspricht unserer Geschäftsidee.
QV: Gibt es denn irgend ein Sinn-Image oder -Funktion für euch in einer Stadt?
TS: Das funktioniert in Städten wie Barcelona oder Berlin eben bereits viel besser als in Basel. Die Velotaxis sind dort allgegenwärtig und es ist dort normal, dass sich neugierige Leute einfach mal rein sitzen und fragen, wo es was Gutes zu sehen gibt? Oder Sie haben konkrete Wünsche, wollen in ein Nagelstudio oder zum Lunch in ein gutes Lokal. Da kann der Fahrer Tipps geben.
QV: Was kostet eine Fahrt bei euch?
TS: Tarife sind CHF 1.- / Min. bei der Spontanfahrt ab Taxistand oder wenn ein leeres VAXI bei der Vorbeifahrt angehalten wird. Bei Reservation sind es CHF 1.50.- / Min. Die Minimaltarife sind im Formular auf vaxi.ch angegeben. Dazu kommt bei Fahrten in die Peripherie Riehen, Binningen, Birsfelden etc. die Leerfahrt (in der Regel ca. CHF 30.-). Es gibt auch Gutscheine zu CHF 90.- für eine Rundfahrt, plus 5.- wenn als Geschenk verpackt und dem Porto fürs Verschicken. Auf Wunsch gibt es auch für CHF 15.- zwei Prosecco (Bio) serviert im Glas oder ayurvedischen Tee.
QV: Gut, das ist dann günstiger als ein Taxi, zumindest pro Zeit, und man hat mehr vom Sightseeing, gerade in der wärmeren Jahreszeit. Habt ihr denn auch Sponsoren?
TS: Ja, wir durften in der Vergangenheit mit ProInnerstadt zusammenarbeiten, TheaterBasel, tibits, Coop, IWB Ökoenergie, Reformhaus Müller, die WOZ, Ökostadt Basel, VCS, Pro Velo, das Amt für Mobilität, das Amt für Umwelt und vielen anderen mehr. Über 4 Jahre hinweg hatten wir jeweils das Glück, zur Eröffnung der Velotaxi-Saison einen Shuttlebetrieb für einen Uhrenerfinder aufzuziehen, um Journalisten, Sammler und angemeldete Kunden aus aller Welt von der Baselworld schnell und sicher zum Hotel Drei König zu fahren. Der Transfer mit Velotaxis war nicht zu übersehen und eine grosse Uhrenmarke wurde auf uns aufmerksam. Damit hatten wir 2018 den Auftrag, Messebesucher zur Gratisfahrt zu motivieren. Der Fahrer hatte gleichzeitig den Fahrgästen eine Uhr zu präsentieren. Auch damit sollte es eine Fortsetzung geben: Weil die Marke den Chinesen gehörte und Schweizer Marken verärgern könnten, brachte die Messeleitung die Idee ins Spiel, einen VIP-Velo-Shuttle für die Baselworld umzusetzen. Das war 2018. Heute ist leider kein Stein mehr auf dem Anderen. Die Gespräche sind noch im Gange.
Wir versuchen auch mit „SCOPE“ zu verhandeln, eine alternative Kunstmesse aus New York, die vielleicht eher für unorthodoxe Transportlösungen zu haben ist oder Foto-Basel im Volkshaus, die beide während der Art Basel im Juni ebenfalls ausstellen. Mit einem Auftrag für eine grosse Marke pedalen zu dürfen, hilft uns sehr bei den Bewilligungsverfahren. Bei den Gesprächen mit den Sponsoren erfolgreich zu sein ist sehr wichtig für die Fortsetzung der Velotaxis in Basel.

Weitere Links:
 VAXI.ch

https://www.velotaxi-basel.ch/2016-06-17/10-jahre-velotaxi-in-der-schweiz

https://nowthefair.ch/discover/amt-fuer-umwelt-und-energie