Zur Erinnerung: Hogg im Schlüssel mit Gast Jürg Humbel aus der Spalenvorstadt

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Mittwoch den 14. November 2018 ab 19:30. Stellen Sie Fragen und diskutieren Sie mit im Zusammenhang mit der Verschiebung der Tramhaltestelle vor das Spalentor an den Experten von der IG-Spalenvorstadt, Jürg Humbel. Unser Quartierverein ist zwar nur für die eine Strassenhälfte der Spalenvorstadt zuständig, aber das Interesse dürfte trotzdem gross sein. Es geht dabei im weiteren Sinn um die Erneuerung der Burgfelderstrasse, Missionsstrasse und Spalenvorstadt.

Das Interview des Monats: Ali und Besey Sazpinar vom Restaurant Pinar an der Herbergsgasse

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QV: Ali und Besey, von wo kommt ihr ursprünglich?

Ali Sazpinar (AS): Wir kommen aus der Provinzstadt Kahramanmaras, Kreisstadt Pazarcik in der Türkei. Das ist vom Meeresstrand Südtürkei etwa 300 Kilometer.

QV: Wie habt ihr beschlossen nach Basel zu kommen und warum?

AS: Wir haben beide einen Matura Abschluss in der Türkei. Ich war in einer pädagogischen Hochschule angemeldet zum weiterstudieren. Meine Frau Besey wurde nach dem Examen angestellt um als Staatspersonal auf dem Grundbuchamt zu arbeiten und hat da zwei Jahre gearbeitet. Da war es für mich als Student nicht gut gewesen, da die Schule, wo ich angemeldet war, wegen Unruhen nach kurzer Zeit wieder geschlossen wurde. Ich wurde mehrere male festgenommen weil ich an einer 1. Mai Kundgebung teilgenommen oder Flugblätter verteilt hatte. Meine Wohnung wurde auch durchsucht und Bücher wurden mitgenommen auf den Polizeiposten. Da habe ich beschlossen, dass ich nicht länger da bleiben wollte sondern aus der Türkei ausreisen wollte.

Besey Sazpinar (BS): Ich war auch bei den politischen Unruhen dabei, da musste ich meine Stelle verlassen. Ali war da schon in der Schweiz und ich wollte auch rauskommen aus der Türkei.

AS: Hier muss man noch anfügen, am 20. Dezember 1978 hat es in der Privinzstadt Karamanmaras, wo wir herkommen, ein Massaker gegeben. Die Radikalislamisten zusammen mit den Nationalisten haben bei der kurdischen Bevölkerung Wohnungen und alles in Brand gesteckt. Wir waren dabei auch betroffen davon, waren aber Ueberlebende bei diesen Angriffen.

BS: Das alles hat vier Tage gedauert und mehr als 1000 Menschen sind dabei ums Leben gekommen, auch Fauen und Kinder und ältere Menschen. Das ist eine längere Geschichte. Aber wir wollten so wirklich nicht mehr da bleiben.

QV: Konntet ihr dann hier Asyl beantragen?

AS: Ja. Ich bin dann zuerst mit Hilfe von meinem Onkel nach Deutschland gekommen und blieb dort im ganzen dreieinhalb Jahre. Ich war der Erste aus unserer Umgebung der dort damals einen Asylantrag gestellt hat. Nach dem Antrag war ich sechseinhalb Monate lang schwer krank und musste diese Zeit in einem Sanatorium in Deutschland verbringen. Ich hatte damals eine Vorladung zu einem Verhandlungstermin der Asylbehörde bekommen, habe den aber wegen der Krankheit verpasst. Dadurch habe ich mich dann sozusagen schwarz in Deutschland aufgehalten.
Ich habe mich dann entschieden in der Schweiz einen Asylantrag zu stellen. Dadurch bin ich am 30. Mai 1983 von Deutschland nach Basel gekommen und habe hier Asyl beantragt.  Besey war da immer noch in der Türkei. Für mich war aber klar, dass ich nicht in die Türkei zurück wollte. Wenn wir eine gemeinsame Zukunft haben wollten, war klar, dass Besey nach Basel kommen musste. Ich habe ihr dann geholfen dabei und sie ist in die Schweiz gekommen.

BS: Ich war zuerst 15 Monate im Kanton Tessin. Ich habe dann nach kurzer Zeit angefangen in einem Restaurant in der Küche zu arbeiten. Ali und ich durften aber als Flüchtlinge nicht heiraten hier in der Schweiz, dazu mussten wir einen anerkannten Flüchtlingsstatus haben. Nach einem langen Kampf konnten wir dann heiraten, dann bin ich nach Basel gekommen.

AS: Ja, wir haben 1985 hier in Basel auf dem Zivilstandsamt an der Rittergasse offiziell geheiratet. Ich war auch nicht lange arbeitslos, nachdem ich hier angekommen bin. Nach wenigen Monaten habe ich eine Stelle bei einer Gärtnerei in Bottmingen gefunden und blieb dort für 17 Monate. Dann hatte ich noch mehrere andere Stellen, wo ich gearbeitet habe.
Dann im Oktober 1990 hat Besey zusammen mit einer Bekannten den Vorschlag gemacht, selbständig zu werden und einen kleinen Laden zu eröffnen mit Lebensmitteln und türkischer Metzgerei. Wir mussten aber noch einen Raum finden. Wir konnten dann diesen Raum hier mieten, wir haben ihn umgebaut mit Kebabstand und Laden und kleiner Imbissecke und haben ihn 1991 im Oktober eröffnet. Im ersten Jahr ist der Kebabstand ganz gut gelaufen aber der Laden gar nicht. Wir haben dann im 1993 ein Gesuch eingereicht für einen Restaurantbetrieb und haben die Bewilligung bekommen. Wir haben über Ostern einen kleinen Umbau gemacht und den Laden in ein Restaurant umgewandelt.

QV: Habt ihr aber das Restaurant in der Zwischenzeit nicht schon mal renoviert?

BS: Ja, drei mal im ganzen. Im 1991 waren das ja drei Läden nebeneinander, diese haben wir dann nach und nach zusammengelegt.

AS: Das war auch eine alte Liegenschaft. Diese wurde im 1995 versteigert und von einer Stiftung der Universität gekauft. Wir haben dann bald einen Brief bekommen von der Stiftung wo uns gesagt wurde, dass die Liegenschaft totalsaniert würde, dass sie aber kein Restaurant mehr darin haben wollten. Hans Nidegger, der Gründer von Ueli Bier hat das dann mitbekommen. Für uns war das natürlich ein Schock, dass wir da ausziehen sollten. Hans Nidegger hat dann zusammen mit anderen Leuten an die Uni Stiftung geschrieben und uns unterstützt.
Nach ein paar Wochen haben wir eines Tages eine telefonische Platzreservierung bekommen für drei Personen. Das waren drei Frauen von der Uni Stiftung, die hier gegessen haben. Diese haben uns dann nach dem Essen mitgeteilt, dass sie von der Stiftung sind und sie an einer nächsten Sitzung mit dem Stiftungsrat ein gutes Wort für uns einlegen wollen. Wir hatten bald danach auch noch ein Treffen mit dem Präsidenten der Stiftung, Christoph Albrecht, ein Jurist, und wir hatten einen Studenten der juristischen Fakultät dabei. Man hat uns dann erlaubt, das Restaurant nach der Renovierung weiterhin zu betreiben. Wir hatten von Oktober 1996 bis Oktober 1997 eine Pause, da das Gebäude saniert wurde. Seither sind wir Mieter von der Uni Gästehausstiftung.

BS: Und gerne hier!

QV: Ihr fühlt ihr euch wohl hier im Quartier?

AS: Ja, sehr! Ich möchte noch was erzählen dazu. Als es 1995 bekannt wurde, dass wir bald schliessen müssen, kam eines Tages Peter Strub vom Quartieverein ins Restaurant und hat gefragt, ob er ein Foto von uns machen darf, er wolle einen kleinen Bericht mit Foto in die Quartierzeitung schreiben um uns zu unterstützen.

QV: Der Bericht muss aber fast in die erste Ausgabe der Zeitung gekommen sein, da der Verein 1995 gegründet wurde. Ich kann mal im Archiv nachschauen.

AS: Also der Ort wo wir uns wohl fühlen und wir gerne sind ist hier. Auch mit dem Quartierverein….

BS: …..und den Nachbarn haben wir’s sehr gut, viele kennen wir persöhnlich.

AS: Letztes Jahr am 15. Oktober – das fünfundzwanzigste war nicht möglich – haben wir das sechsundzwanzigste Jubiläum gefeiert an einem Sonntag und haben Gäste und Nachbarn eingeladen. Es sind etwa 200 Leute vorbei gekommen und haben uns begrüsst und wir haben zusammen geplaudert. Das war wirklich sehr schön. Wir möchten das gerne mal wiederholen.

Das Zebra lässt bereits den Kopf hängen

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Die Mechanik des Zebras auf dem Rümelinsplatz wurde bereits arg in Mitleidenschaft gezogen. Dies wohl verursacht durch Leute die das Spielzeug mit einem Fitnessgerät verwechselt haben. Kurz vor diesem Foto haben zwei Erwachsene darauf herumgeturnt als ginge es hier um Leistungssport. Die Seile im Inneren sind dem nicht gewachsen. Es ist zu hoffen, dass der Zebra-Mechaniker bald kommt.

Das Interview des Monats: Erika und Toni Ottenburg in der Messerschmiede am Spalenberg

Am Spalenberg 33, im „Haus zur Tanne“ befindet sich das Messerwarenfachgeschäft Ottenburg. Das Unternehmen wurde ursprünglich im Jahr 1807 von der Familie Birmann gegründet. Das Geschäft hat sich dann 1915 am Spalenberg niedergelassen. Dort hat 1942 Toni Ottenburg seine Lehre als Messerschmied begonnen und er hat später das Geschäft übernommen. Zusammen mit seiner Frau Erika hat er die Messerschmiede-werkstatt und den Laden bis vor ein paar Jahren geführt, bevor er sich daraus mit über 90 Jahren zurückgezogen hat. Die Kundschaft kommt aus Europa und der ganzen Welt. Erika Ottenburg führt das Geschäft mit viel Energie und Freude weiter. Wir haben ihr ein paar Fragen gestellt.

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QV-Innerstadt (QV): Können Sie uns etwas über sich sagen?

Erika Ottenburg (EO): Ich bin Ottenburg, Erika und das Geschäft heisst Ottenburg Toni.

QV: Seit wann gibt es das Geschäft?

EO: Seit 1807. Das ist das älteste Fachgeschäft für Messer und Scheren der ganzen Schweiz. Die Firma Victorinox ist 140 Jahre alt, und dieser Betrieb ist 211 Jahre alt.

QV: Was haben Sie alles im Sortiment? Ich sehe, das ist riesig.

EO: Kochmesser, Küchenmesser, Taschenmesser…. eine ziemlich grosse Auswahl.

QV: Ich sehe auch Messer für Gärtner, Kastanienmesser…

EO: Schneiderscheren, Coiffeurscheren, Nagelscheren, spezielle Lederscheren. Wir haben eine grosse Auswahl an speziellen Scheren und Messern.

QV: Kommt das Gastgewerbe zu Ihnen?

EO: Die kaufen das eher en Gros ein. Aber die Restaurants aus der Umgebung kommen schon auch zu uns. Dann kommen viele Touristen zu uns, die besuchen auch gern die engen Gässchen. Die gehen eher weniger in die Freie Strasse.

QV: Sind Sie hier im Quartier aufgewachsen?

EO: Nein, wir haben etwa 20 Jahre im St Alban gewohnt, bei der Papiermühle. Dann sind wir hier ins Haus gezogen.

QV: Ist Ihr Mann auch noch im Laden oder in der Werkstadt tätig?

EO: Nein, er ist letztes Jahr 90 Jahre alt geworden und arbeitet nicht mehr im Geschäft.

QV: Wie gefällt es Ihnen hier im Quartier?

EO: Wirklich sehr gut! Wir wohnen hier auch schon seit über dreissig Jahren.

QV: Sie haben diesen riesigen Ofen da im Laden. Benutzen Sie den noch?

EO: Nein, schon lange nicht mehr. Man könnte schon, aber es war immer sehr anstrengend, die Steinkohle aus dem Keller holen, vor allem für uns Frauen. Es hat aber jetzt eine Zentralheizung.

 

Rümelinsplatz: Wackeltiere, und ein Ginkgo lässt seine Stinkfrüchte fallen

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Wie angekündigt ist heute Morgen das Wackeltier, das an ein Zebra erinnert, auf dem Rümelinsplatz aufgebaut worden. Die Idee für ein Kinderspiel in der Innenstadt stammt von Pro Innerstadt Basel und dem Kinderbüro Basel und wurde gemeinsam mit dem Planungsamt Basel-Stadt weiterentwickelt.

http://www.medien.bs.ch/nm/2018-basler-wackeltiere-laden-kinder-ein-zum-spielen-und-verweilen-in-der-innenstadt-bd.html

Gleichzeitig ist im Moment Vorsicht geboten wenn man sich da voller Freude dem Wackeltier nähert. Der weibliche Ginkgobaum (steht auf der linken Seite) trägt jetzt reife Früchte, die beginnen herunterzufallen. Der Herr in der roten Jacke hat sich also vielleicht später gewundert wo er denn da in Erbrochenes reingetreten ist….

Die Stadtgärtnerei sollte dann da Abhilfe schaffen indem jemand von ihnen die Früchte pflücken und wegschaffen wird.

 

Nachtrag zur Erneuerung Burgfelderstrasse – Missionsstrasse – Spalenvorstadt

Das Planungsamt des Bau- und Verkehrsdepartements Basel-Stadt hat jetzt die Fragen und Antworten der Fragestunde vom 30. August aufs Netz gestellt. Zusätzlich gibt es weitere Infos zum Thema.

Laden Sie hier die PDFs direkt herunter.

AnwohnerInfo zur Fragestunde:

http://www.planungsamt.bs.ch/dam/jcr:64bb1aed-f934-48ac-89a0-9739ab4f66cc/Anwohnerinfo%20vom%2030.%20August%202018.pdf

Infoflyer zur Erneuerung Burgfelderstrasse-Missionsstrasse-Spalenvorstadt:

http://www.planungsamt.bs.ch/dam/jcr:e5681d36-4d0a-4945-8a5c-4d260ba8ab8e/BVD_Folder_Burgfelder-Missionsstr-Spalenvorstadt.pdf

Regierungsratsbeschluss vom 5. Juni 2018:

http://www.planungsamt.bs.ch/dam/jcr:6849f5c9-4218-41c0-be0b-be6d108da688/Burgfelder-strasse%E2%80%93Missionsstrasse%E2%80%93Spalenvorstadt.pdf

Fragerunde zur Erneuerung Burgfelderstrasse, Missionsstrasse, Spalenvorstadt

Das Bau- und Verkehrsdepartement des Kantons Basel-Stadt hat am 30. August zur Fragerunde über die bevorstehenden Erneuerung der Burgfelderstrasse, der Missionsstrasse und der Spalenvorstadt eingeladen.

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In Kürze: Tramgleise, Strassenbelag sowie Gas-, Wasser- und Stromleitungen in der Burgfelderstrasse, der Missionsstrasse und der Spalenvorstadt haben ihr Lebensende erreicht. Sie müssen saniert werden. Der Kanton Basel-Stadt nutzt die Gelegenheit, um die Verkehrssicherheit und den Verkehrsfluss auf den Strassen zu verbessern. Wenn der Grosse Rat dem Projekt zustimmt, wird frühestens ab 2020 gebaut.

Der Haptkritikpunkt von der Seite IG Spalenvorstadt ist die Verschiebung der Tram-Haltestelle Spalentor vom jetzigen Ort neben dem Spalentor (siehe Bild) in die Spalenvorstadt etwa vor dem Restaurant Tell. Ein Grund für die Verschiebung dürfte die gesetzliche Verpflichtung sein, die Tramhaltestelle rollstuhlgängig zu gestalten.

Die rechte Hälfte der Spalenvorstadt (wenn man Richtung Spalentor schaut) liegt im Perimeter des Quartiervereins Innerstadt. Unser Mitglied Dagmar Vergeat war an der Informationsveranstaltung anwesend und hat die Frage aufgeworfen, wieso es innerhalb 90 Metern in der Spalenvorstadt zwei Tramhaltestellen braucht.

Die IG Spalenvostadt, die Vereinigung der dortigen Geschäfte hat laut OnlineReports das Thema noch nicht diskutiert und somit offiziell noch keine Meinung.

Unsere Mitglieder sind aufgefordert, uns ihre Meinung bezüglich dieser Haltestellenverschiebung bekannt zu geben.

Teilweise zitiert aus:

http://www.planungsamt.bs.ch/oeffentlicher-raum/burgfelderstrasse—missionsstrasse—spalenvorstadt.html

http://www.onlinereports.ch/News.109+M56f101144ea.0.html

Das Interview des Monats: Gilli und Diego Stampa von der Galerie Stampa

Sie haben ihre Galerie am unteren Spalenberg vor fast 50 Jahren gegründet und präsentieren ihre Kunst noch immer frisch wie am ersten Tag. Seit Beginn gehört zu ihrem Konzept eine Buchhandlung für Kunst, Architektur, Fotografie und Künstlerbüchern, dies nebst ihren Ausstellungen von hochrangigen Künstlerinnen und Künstlern in ihren Galerieräumen.

Quartierverein Innerstadt (QV): Wann habt ihr die Galerie eröffnet und wie habt ihr die Räume am Spalenberg gefunden?

Gilli Stampa (GS): Die Räume haben wir im September 1968 gemietet und haben alles selbst renoviert zusammen mit Freunden und Kollegen. Eröffnet haben wir im 1969.

Diego Stampa (DS): Auf der Suche nach geeigneten Räumen habe ich entdeckt, dass diese Räume am Spalenberg leer standen. Der Besitzer war dann bereit, uns die Räume auf längere Zeit zu vermieten.

QV: Wieso seid ihr Galeristen geworden?

GS: Also wir haben uns zu der Zeit gar nicht als Galeristen definiert. Wir haben uns mehr allgemein für das Kulturelle und eben auch Kunst interessiert. Wir haben eher gesucht, wie wir unser Leben gestalten wollten und das hat sich dann als im Bereich der Kunst und Kultur herauskristallisiert. Da hat der Zeitgeist auch eine Rolle gespielt.

DS: In den 68er Jahren wurde der Galerist bei den jungen Leuten eher als etwas Kommerzielles betrachtet. Deshalb haben wir den Bereich, wo wir aktiv waren, eher etwas weiter gefasst, also nebst Kunst auch Musik und Kunstbücher geführt. Also Buchhandlung, Vorträge und auch politische Diskussionen.

GS: Da haben auch gesellschaftliche Veränderungen stattgefunden zu der Zeit, z.Bsp. der Beginn der Frauenbewegung, wo ich auch dabei war; da kamen so viele Sachen zusammen. Und das war auch unser Antrieb. Zu der Zeit war es aber auch noch finanziell machbar, dass man solche Räume überhaupt mieten und zahlen konnte.

QV: Was macht eine Galerie noch anderes als Kunst verkaufen?

GS: Wir haben immer auch schon die Zeitgenössische Musik integriert gehabt in unserem Programm. Wir realisierten mit dem Phönix Ensemble Basel Projekte, die bei uns stattfanden. Es gab Uraufführungen der “Stampa Repetitionen”, die speziell dafür komponiert wurden . Die Zusammenarbeit mit dem Musikladen “Plattfon” ist dann 2009 entstanden.

DS: Wir hatten ja auch Schallplatten, wodurch wir Musik von John Cage und Laurie Anderson im Sortiment hatten. Auch Musikkassetten haben wir angeboten.

GS: Wir haben auch von Anfang an mit Künstlerinnen und Künstlern zusammengearbeitet die mit Video gearbeitet hatten. Dies, und alles was „medial“ war, war zu dieser Zeit natürlich neu und wurde als Kunstform noch skeptisch beäugt. Auch die Performance war ein wichtiger Teil unseres Programms.
Um zurückzukommen: Was macht eine Galerie, ausser Kunst zu verkaufen? Wir vertreten unsere Künstlerinnen und Künstler permanent, wir organisieren Ausstellungen, wir betreiben ein Archiv, wir beteiligen uns an Katalogen, wir vermitteln Kunst, wir beraten Leute und Firmen. Wir organisieren den Austausch Sammler-Künstler. Wir haben Auftritte an Messen. Hier in der Galerie haben wir tägliche Oeffnungszeiten wo wir angesprochen werden können. Wir haben also einen riesigen Bereich an Leistungen die wir für unsere Künstlerinnen und Künstler erbringen.

QV: Wird man reich dabei?

DS: Ja.

GS: Und nein.

DS: Zuerst: Ja, das bedeutet für uns eigentlich, schuldenfrei zu sein. Wir haben schon am Anfang breit gefächert angefangen z.B. mit Büchern. Wir hatten auch durch unser System viele Besucher und Kunden. Das hat durch das Internet jetzt etwas nachgelassen. Wir konnten auch immer unsere Künstler auszahlen bei Verkäufen. Und wir haben auch selbst Geld hereingebracht für unsere Ausgaben am Anfang. Natürlich denken alle, dass man reich wird wenn man die Preise der Bilder von berühmten Künstlern hört. Aber diese Händler waren vorher schon reich und werden dann noch reicher.

GS: Man meint damit natürlich den reinen Kunsthandel, wo nur Millionenbeträge herumgeschoben werden. Aber wir machen hier ja noch was anderes. Wir handeln auch mit Kunst, aber wir haben eine Infrastruktur, einen öffentlichen Raum mit Ausstellungen wo jede Person sich beteiligen kann, gratis hereinkommen, alles anschauen und wieder gehen kann. Und manchmal bedanken sich die Leute sogar. Im Weiteren finanzieren wir Messen, wo wir die Künstler einem internationalen Publikum präsentieren, wir haben Personal, wir finanzieren teilweise Produktionen von Künstlern mit, machen Ankäufe. Wir sind trotzdem unabhängig, bekommen also keine öffentlichen Gelder.

DS: Wir haben 2006 den Kulturpreis der Stadt Basel bekommen, 25’000 Franken. Ein Teil davon haben wir dann für ein Fest in der Bodega mit 70 Leuten ausgegeben, das ging bis am Morgen um 5 Uhr.

QV: Es gibt Leute, die sagen sie verstehen die heutige Kunst nicht mehr. Versteht ihr sie?

DS: Ja.

GS: Und nein.

GS: Natürlich versteh ich, wenn jemand sagt, das kann ich auch oder das kann mein Kind auch. Aber Kunst verstehen ist auch ein stetiger Lernprozess. Da kommt man nicht dran vorbei; das ist wie bei vielen Dingen, sei es Sport oder X-was, man muss sich zuerst kundig machen. Es ist auch ein Lernprozess des Sehens, man verfeinert das Wahrnehmungsvermögen. Und viele Leute sind nicht bereit dazu und finden es nicht notwendig, das zu erbringen. Aber es berechtigt sie nicht, über Kunst zu schnöden.

DS: Die „Notwendigkeit“ fehlt natürlich bei den meisten Leuten. Biologie oder Physik findet man eher nötig und das ist auch näher beim Kommerziellen. „Kunst verstehen“ ist aber freiwillig und scheinbar nicht nötig fürs Leben in der Gesellschaft.

GS: Kunst ist aber etwas, das öffentlich sehr gut zugänglich ist. Es gibt z.B. in Basel viele öffentliche Kunstinstitutionen. Dieser Lernprozess ist für jeden zugänglich, ob arm oder reich, falls er es will. Die Leute finden es dann aber nicht so notwendig. (Zu Diego): Was hast du noch gemeint mit „Luxus ist einfacher“?

DS: Viele sagen ja: Kunst ist Luxus. Aber „Prada“ ist natürlich auch Luxus. Aber für mich ist der Mode- oder Automobil-Luxus halt einfacher zu verstehen als der Kunst-Luxus.

QV: Manchmal muss man ein Kunstwerk ja auch nicht gleich sofort verstehen. Man kommt dann darauf zurück und dann beginnt ein Lernprozess und mit der Zeit versteht man das Werk immer besser.

DS: Man kann sich auch irren. Man findet ein Werk plötzlich nach Jahren nicht mehr so gut, aber andere Leute fangen, an es zu mögen. Es ist eigentlich eine offene Situation.GS: Es gibt ja auch nicht nur eine Meinung. Man muss sich dann auch mal auf eine neue Welt einlassen. Da ist zum Beispiel die jetzige Ausstellung bei uns mit der Welt von General Idea etwas ganz anderes als die Werke von Vivian Suter im hinteren Raum mit der Malerei. Man ist eigentlich immer gefordert, aber es macht auch Spass.

QV: Wie entscheidet ihr ob Ihr ein Werk oder eine Künstlerin oder einen Künstler aufnehmt?

GS: Wir nehmen jemand auf, der oder die eine eigenständige künstlerische Position vorweisen kann. Auch wie jemand über seine Arbeit spricht spielt eine Rolle. Wir meinen, dass wir das mit unserer langen Erfahrung schon einschätzen können. Dann muss der Künstler/die Künstlerin auch in unser langjähriges Programm passen. Und man muss sich auch mögen, und kommunizieren können.

DS: Und es gibt auch Ablösungen. Dass man sich wieder trennt oder Künstler die abgeworben werden, weil sie plötzlich berühmt wurden. Das ist bei uns auch passiert. Deshalb nehmen wir auch wieder jüngere Leute herein, so ab 30 bis 35 Jahre alt, damit wir diese Abgänge verkraften können.

Link zur Galerie Stampa:

http://www.stampa-galerie.ch

Starke Trockenheit- grosser Efeu am Andreasplatz abgestürzt

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Heute Morgen Freitag hat sich der riesige  Efeu am Haus mit der Galerie Gerber neben der Hasenburg von selbst von der Mauer abgelöst. Als Resultat der grossen Trockenheit konnte er sich nicht mehr an der Mauer festhalten hat mir der Gärtner mitgeteilt. Der Gärtnereibetrieb hat ihn dann bis auf etwa 4 Meter eingekürzt.

Wir wurden mittlerweile schon zitiert von der BZ Basel:

https://www.bzbasel.ch/basel/basel-stadt/es-passierte-knall-auf-fall-riesiger-efeu-teppich-rauscht-zu-boden-132963250#

Die eingebildete Badewanne

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Dieses Schaufenster ist zwar gerade nicht mehr im Innerstadt-Perimeter, das Spiegelbild im Fenster aber schon. Haben Sie’s gemerkt wo es ist?