Der Gesundheitsriese als Nachbar

Grosses hat bekanntlich das Universitätsspital vor. Das Klinikum II oder Bettenhochhaus wird abgebrochen und durch einen fünfstöckigen Neubau gegen den Petersgraben und ein Hochhaus dahinter ersetzt. Auf dem Areal werden nach heutiger Schätzung bis zu 1,2 Milliarden Franken verbaut. In der ersten Bauphase zwischen 2015 bis 2026 wird das Projekt Arcadia, das in einem Wettbewerb von der Jury an erste Stelle gesetzt worden ist, realisiert. Zwei Drittel der vorgesehenen Mittel werden da eingesetzt.

 

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Vom Petersgraben aus: Garten statt Rampe.

 

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Wo man gegenwärtig steht und was die Anwohner zu erwarten (und allenfalls zu sagen haben), wurde in einer Informationsveranstaltung für Organisationen und Verbände, zu denen eben auch der Quartierverein Lääbe in der Innerstadt zählt, ausgelegt. Michel Plüss, der Präsident des Verwaltungsrates des Universitätsspitals und als Novartis-Chef Schweiz während des Baus des Novartis Campus erfahren im Umgang mit grossen Bauvorhaben, präsentierte mit dem Direktor und Vorsitzenden der Spitalleitung Werner Kübler und dessen Generalsekretär Burkhard Frey die Fakten aus Sicht des Spitals oder Bauherrs. 

Die wichtigsten Punkte.

Die Begründung für den Neubau und das Siegerprojekt

– Die Nachfrage nach den Dienstleistungen des Universitätsspitals wachsen stark. Es wird enger. Die Situation in Baselland fördert wegen der freien Spitalwahl diese Tendenz.

– Das Bettenhaus am Petersgraben muss so oder so saniert werden. Die Kosten sind so hoch wie ein Neubau.

– Das Universitätsspital ist ein Unternehmen, das zwar dem Staat (uns) gehört, aber selbständig ist. Die Arealplanung und den Wettbewerb führte das Baudepartement durch, diskutiert wird das Ganze auch noch im Parlament. Aber bauen muss das UBS dann selber, auch selbst für die Finanzierung sorgen.

– Der Neubau muss während des Betriebs des bisherigen durchgeführt werden. Das wird zu grösseren oder kleineren Rochaden führen.

– Das Projekt Arcadia der Zürcher Architekten Giuliani und Hönger sei auch im Blick auf die Etappierung (und weniger Bedarf für den Bau von Rochadeflächen) das beste gewesen, wird gesagt. Man habe sich die Beurteilung nicht einfach gemacht.

Was schon anders wird

gestricheneSituation

– Im Gegensatz zu den am Anfang veröffentlichten Bildern, wie diesem hier aus dem Jurybericht, wird der Auftritt am Petersgraben anders.

– Die Situation mit den Arkaden und dem überhängenden Dach wird geändert und mehr geschlossen. Neue Bilder gibt es bereits im März.

– An der Ecke gegen Petersgraben/Predigerkirche könnte ein Café oder ähnliches eingerichtet werden.

– Auf die Predigerkirche wird mehr (aber nach Meinung des Basler Heimatschutzes immer noch zu wenig) Rücksicht genommen. Der Abstand wird um drei Meter vergrössert und der Hauptbau angepasst. (Die Vertreter der christkatholischen Gemeinde hören das gern, wären aber am liebsten mal selbst begrüsst worden, denn die Darstellung der Kirche auf den Projektskizzen sei falsch und irreführend gewesen.) Auch da wird man im März die Richtung sehen.

Der öffentliche Verkehr, Notfallstation, Abstände zu den Denkmälern

– Auf eine Tramlinienführung über den Petersgraben wird reagiert. Auch dass der Elfer nicht mehr über die erst noch teuer zur Tramrennbahn renovierte St. Johanns-Vorstadt/Totentanz, sondern die Spitalstrasse geführt wird, sei nicht übersehen, heisst es. 

– Die Notfallstation bleibt etwa dort, wo sie ist, wegen der Lage der Operationssäle. Die Zufahrtsrichtung wird umgedreht. Neu sollen auch Fussgänger da Durchgang finden.

– Auch der Abstand zum zweiten Denkmal, dem Markgräflerhof gegen die Hebelstrasse soll grösser werden. Die Zufahrtsrampe, die jetzt der Anlieferung dient, wird verschwinden und durch einen Garten ersetzt.

– A propos Garten: Der Spitalgarten soll öffentlicher werden, man soll ihn vom Petersgraben und deutlich durch den Bau erreichen können. Er ist eine grüne Verbindung Richtung Life Sciences Campus Schällemätteli. Die historische barocke Gartenanlage des Holsteinerhofs ist nicht berührt.

Heli als Knacknuss

– Neu wird die Anlieferung über die Spitalstrasse erfolgen. Der Petersgraben wird also von Lastwagen entlastet. (Allerdings wohl erst, wenn das Ganze abgetragen und neu gebaut ist…)

– Knacknuss ist vorerst noch der Helikopterlandeplatz. Er kann nicht auf dem künftigen Hochaus sein, weil das sonst kürzer gebaut werden müsste. Das Bundesamt für Zivillluftverkehr wird das zu begutachten haben. Man sieht vor, dass der Heli auf dem “nur” fünstöckigen Flachbau in der Nähe der Notfallstation landen könnte. Wie das mit Lärm und Aerodynamik vereinbar ist, wird man sehen müssen.

– Am Petersgraben wird für die Velos ein Parking geplant. Die Eingangssituation wird ebenerdig und es gibt mehr Licht.

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Auch dieses Bild ist aber überholt, man wird noch etwas nachbessern.

Grundsätzlich will das Spital als künftiger Bauherr offene Ohren haben und gesprächsbereit sein.

– Vorgesehen ist, einen “auf Langfristigkeit angelegten” Anwohnerbeirat, in dem auftauchende Probleme diskutiert werden können. Als Quartierverein werden wir darin vertreten sein.

Der Bebauungsplan wird im April aufgelegt. Der Grosse Rat wird voraussichtlich noch 2014 über die Sache beraten. Vielleicht kommt das Volk noch zu Wort. 2015 könnte das Projekt ausgearbeitet werden und  frühestens 2016 mit dem Bau begonnen werden. 

 

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Der Riese wächst: An der Präsentation wurden auch Zahlen über das Wachstum in einem Jahr von 2012 auf 2013 präsentiert:

  • Die Zahl der “ambulanten Kontakte” stieg von 895 000 (2012) auf 948 000 (2013).
  • Die der stationär behandelten Patienten von 32507 auf 33130, aber nur vier Betten kamen dazu (714 statt 710).
  • Die Zahl der Spitalmitarbeitenden nahm von 5202 auf 5463 Köpfe, auf Vollzeitstellen umgerechnet von 3969 auf 4209 zu.
  • Die Zahl der aufgerechneten Vollstellen, die durch Ärztinnen und Ärzte belegt werden, wuchs von 844 auf 924.
  • Die Zahl der über Drittmittel besoldeten Mitarbeitenden (zB in der Forschung) sank leicht von 428 auf 419. 
  • Die Aufenthaltsdauer sank unter dem neuen DRG-Regime der Fallkostenabrechnung nicht wie befürchtet (Stichwort: “blutige Entlassung”). Sie liegt mit jetzt 7 Tagen 2013 höher als unter der früheren Abrechnung mit 6.7 Tagen. 

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