„Basel blib wach!“ im Atelier

Vor einem Dreiviertel Jahr ist als Reaktion auf das drohende Ende von in Zwischennutzungen betriebenen beliebten Orten wie „Hinterhof“ oder „Nordstern“ von jungen Erwachsenen der Verein „Bebbi wach uff!“ gegründet worden. Er will „gegen das Clubsterben“ aktiv werden“und das angeblich ins Elend versinkende „Nachtleben“ retten, wie hier erklärt wird. Für eine Petition wurden beachtliche 11 000 Unterschriften gesammelt, in der entsprechende Massnahmen gefordert werden,  und gestern ist im Kino Atelier eine Podiumsdiskussion unter dem Titel Bebbi blib wach! abgelaufen (hier das Intro-Standbild mit den Sponsoren):

image

Im platschvollen Kino und zur Premiere eines zum Thema gedrehten Films begrüsste Jo Vergeat ein vorwiegend jugendliches Publikum von mehrheitlich ü20- bis ü30ern, unter denen sich vereinzelt auch etwas ältere Junggebliebene blicken liessen. (ü70er fanden wir nur einen.)

Der Film zeigt Basel in fantastischen jungen bewegten Bildern (der Rocheturm ist fertig) aus der Vogelschau und präsentiert Testimonials  und Kommentare von Akteuren zum Anliegen des Vereins. Kultur ist, was der Mensch gestaltend hervor bringt, sagt Wikipedia. Hier ist bedroht gesehenes Hervorgebrachtes vor allem tönender Natur. Wie der Fisch erst merke, dass er Wasser (das er allerdings nicht hervorbringen muss) brauche, wenn er keines mehr habe, gehe es der Stadt Basel mit der Nachtkultur, sagte der Sprecher, während die Kamera über den wasserreichen Rhein fliegt. Dem Film lieh niemand anderes als Christoph „The Voice“ Schwegler seine Stimme. Man weiss: Eine bessere gibt es nicht.

An der folgenden Podiumsdiskussion ging es sehr zivilisiert und friedfertig zu. Die Beleuchtung hätte etwas heller sein können.

wp-1449010215628.jpg

 

Regierungspräsident Guy Morin (ganz links  neben Moderator Wunderlin), schon im Film zu Wort gekommen, beteuerte, die Regierung habe durchaus ein Ohr für das diskutierte Problem und balancierte ohne Sturz über die Untiefen zwischen allen Lagern. Er schilderte etwa, dass Zwischennutzungen nicht umsonst Zwischen-Nutzungen hiessen, dass Lärmzonen halt auf Gesetzen beruhten und der Kanton Basel-Stadt immer noch nur 37 Quadratkilometer Fläche habe. Obwohl die Brachen abnehmen, gebe  es aber immer wieder neue Gelegenheiten, die man nutzen könne.  Der Leiter des Amts für Umwelt und Energie (AUE), Matthias Nabholz, schwor ganz aufgestellt, sich nicht als Verhinderer zu sehen und dass man immer versuche, gemeinsame Lösungen zu finden. Zudem gebe es kaum eine Stadt, die wie Basel so viele  öffentliche Plätze bespielen lasse.

Auch der an solchen Anlässen unverzichtbare  Tino Krattiger, weihnächtlicher Rheingasse-Gastrobeleber und Kulturflossbetreiber sprach vom Miteinander und sich Kennenlernen, von Angstabbau durch Kontakt (mit beunruhigten Nachbarn) und solchen Dingen, liess aber doch durchblicken, dass er es gern einfacher hätte. 

Es ist hier nicht der Platz, mehr über die Diskussion zu berichten. Zu bemerken ist allenfalls, dass der Verein offenbar versucht hat, „Anwohner“ aufs Podium einzuladen, dabei aber fruchtlos blieb. Wir vermuten, dass die Angefragten sich wohl entweder vom angeblichen Nachtkultursterben nicht betroffen fühlen oder vermeiden wollten, in eine falsche Rolle gedrängt zu werden. So kam es, dass der gern als besonders lärmempfindlich und reklamierend „kulturfeindlich“ agierende Anwohner und sein weibliches Pendant unpersonifiziert blieben und vielleicht deshalb den ganzen Abend kaum was abbekamen. Ursache des beklagten Niedergangs der Nachtkultur scheinen sie nicht zu sein.

Ohnehin wird vielleicht bald neues Leben aus den Ruinen blühen. Jedenfalls wurde im Kreise der Podianten angedeutet, dass einiges im Tun sei, und doch zumindest so was wie Aussicht auf Zuversicht besteht.

Erfrischend jedenfalls, dass in Basel eine junge Initiative gut organisiert, mit modernen Mitteln, zielführend und immer zivilisiert doch in kurzer Zeit Beachtliches „gestaltend hervorgebracht“ hat.

 

 

 

Schreib hier deine Meinung

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s