20 Jahre „Lääbe in der Innerstadt“: Standortbestimmung und Perspektiven

 

Von Peter Strub

Das Jubiläumsjahr ist bald Geschichte und es stehen im Vorstand grosse personelle Veränderungen an. Dies gibt dem Verein die Chance für einen Neustart. Ich hoffe dieses Schreiben dient allen als Orientierungshilfe, bevor wir uns gemeinsam auf den weiteren Weg machen.

Die Vereinsstruktur

Wir sind einer der vielen Neutralen Quartiervereine unserer Stadt und auch in der Dachorganisation, dem „Stadtvorstand“, vertreten. Dieser koordiniert in Basel die Tätigkeiten der Quartiervereine untereinander. In letzter Zeit sind wir in diesem Gremium wegen mangelnden gemeinsamen Themen nicht mehr regelmässig vertreten gewesen. Generell werden wir als kleinster Verein, was Mitgliederanzahl und Quartiergrösse anbelangt, von den anderen Quartiervereinen eher als „exotisch“ wahrgenommen. Wir sind zwar der kleinste Neutrale Quartierverein unserer Stadt, haben aber mit zehn Prozent der Quartierbewohner den grössten prozentualen Anteil an Vereinsmitgliedern.

Die Eckwerte laut Statistischem Amt Basel (Mai 2016): 
Fläche: 37,2 ha
Bevölkerungszahl: 2’074
Wohnfläche pro Person: 55,7 m²
Ausländeranteil: 27,2%

Die Statuten

„Der Verein bezweckt die Vertretung der Interessen der Grossbasler Innerstadt im Hinblick auf dessen Wohn- und Lebensqualität. Insbesondere fördert er eine kinder- und familienfreundliche Umgebung in der Grossbasler Innerstadt und pflegt Freundschaft und Geselligkeit. Er pflegt den Dialog mit Personen und Vereinen, die sich entsprechenden Aufgaben widmen. Der Verein ist parteipolitisch und konfessionell neutral. Mitglied werden kann jede natürliche Person, welche in der Grossbasler Innerstadt wohnt oder sich dieser persönlich verbunden fühlt.“ Im Grunde genommen ist mit dem Verkehrskonzept Innenstadt und den speziellen Nutzungsplänen der erste Teil unseres Vereinszwecks beinahe erfüllt. Dies gibt uns Raum das Angebot von Freundschaft und Geselligkeit auszubauen und allenfalls vermehrt im Rahmen unserer Möglichkeiten auch kulturelle Projekte zu organisieren.

Unsere Mitglieder

Die Anzahl Mitglieder in unserem Verein ist sehr stabil und pendelt zwischen 180 und 190 Mitgliedern. Diese teilen sich in 90 Einzelmitglieder und 100 Familienmitglieder, wobei die letzteren nur mit einer Person berechnet sind. Ein grosser Teil der Mitglieder ist schon seit der Vereinsgründung mit dabei. Sehr viele sind Eigentümer von Wohnungen oder Liegenschaften oder Mieter beim Kanton Basel-Stadt. Diese Umstände dürften unter anderem auch zu deren Sesshaftigkeit in der Innerstadt beigetragen haben.


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Im Vergleich zu den anderen 18 Quartieren und 2 Gemeinden verfügt das Wohnviertel Altstadt Grossbasel über die meisten Arbeitsplätze pro Einwohner, die höchste Erwerbstätigenquote sowie hohe Einkommens- und Vermögenssteuerwerte pro Veranlagung. Im Bereich Raum und Umwelt verzeichnet das Wohnviertel bei der durchschnittlichen Wohnfläche pro Einwohner den höchsten Wert, die Wohnungen sind dabei überdurchschnittlich gross. Die Bausubstanz ist die älteste im ganzen Kanton. Der Anteil Grünflächen ist in der Altstadt Grossbasel gering und auch der Anteil Einfamilienhäuser ist vergleichsweise niedrig. Bei den Indikatoren aus dem Bereich Gesellschaft und Soziales weist das Wohnviertel den höchsten Anteil Konfessionsloser sowie einen hohen Anteil Einpersonenhaushalte aus. Entsprechend niedrig ist der Jugendquotient. Der Anteil Ausländer sowie Sozialhilfeempfänger liegt im unteren Drittel. (Radarbericht Altstadt Grossbasel, Statistisches Amt)


Der Vorstand

In den Anfangszeiten war der Vorstand mit drei Frauen und vier Männern besetzt. In den letzten Jahren sind wir nur noch sechs Vorstandsmitglieder und Dagmar Vergeat als Präsidentin blieb, trotz ernsthaften Bemühungen, die einzige Frau im Vorstand.

Die ersten Jahre

Der Anfang waren geprägt von Einsprachen oder Petitionen, die wir selber angestossen haben. Sie richteten sich mehrheitlich gegen Projekte oder Massnahmen, welche die Verwaltung ohne Rücksprache mit den Quartierbewohnern planen und realisieren wollte. Wir erinnern uns an den Umbau des Lohnhofareals, die Umgestaltung des Leonhard-Kirchplatzes oder die Neugestaltung des Pausenplatzes beim Petersschulhaus.

Die letzten zehn Jahre

standen unter dem Thema „Mitwirkung“. Das neu in der Kantonsverfassung verankerte Mitwirkungsrecht der direkt betroffenen Quartierbewohnerschaft löste eine eigentliche Mitwirkungslawine aus. Die zahlreichen Projekte wie „Qualität im Zentrum”, „Entwicklungsrichtplan Innerstadt“, „Gestaltungskonzept Innenstadt“, „Begleitgruppe Spalenberg“, „NöRG“, „Spezielle Nutzungspläne“ etc. brachte uns mit einer grossen Anzahl von Sitzungen und Work-Shops an die Grenzen unserer personellen Ressourcen. Wir waren so quasi von der Verwaltung okkupiert und haben erst jetzt wieder Raum für eigenständige Ideen oder Projekte.

Fussgängerzone Innerstadt – eine unendliche Geschichte

Das Projekt einer fussgängerfreundlichen Innerstadt begleitete uns vom ersten Tag an und war während zwanzig Jahren ein Dauerthema in unserem Verein. Letztes Jahr hat mit der Umsetzung des „Neuen Verkehrskonzept Innenstadt“ und der Inbetriebnahme der Polleranlage am oberen Spalenberg

img_9097 ein mühsamer Prozess seinen erfreulichen Abschluss gefunden.

Neutrale Quartiervereine ein Auslaufmodell?

Mit dem Präsidialdepartement, den fünfzehn Quartiertreffpunkten, den drei Quartiersekretariaten und der Fachstelle für Stadtentwicklung, ist uns etwas überspitzt formuliert eine staatlich subventionierte Konkurrenz entstanden. Der Stadtvorstand der NQV steht daher der Vision des Präsidialdepartementes „Quartiersarbeit 2020“ kritisch gegenüber, weil zukünftig die Quartiermitsprache von der Verwaltung weitestgehend als Top-Down-Prozess organisiert werden soll. Es wird in Zukunft die undankbare Aufgabe der Neutralen Quartiervereine sein, bei der „Mitwirkung“ auch eine kritische und „verwaltungsferne“ Sicht zu behalten.

Die Sonderstellung unseres Quartiervereins

In den letzten Jahren haben viele unserer Nachbar-Quartiervereine wegen Personalproblemen und fehlendem Interesse an der Freiwilligenarbeit, mit den jeweiligen Nachbarvereinen fusioniert (Spalen/Gotthelf, Bachletten/Holbein, St.Alban/Gellert, Breite/Lehenmatt). Für unsere Nachbarvereine im Kleinbasel kommt eine Fusion nicht in Frage, weil die Altstadtquartiere den kleinsten Teil in den grossen Vereinsperimetern des oberen und unteren Kleinbasels ausmachen. Mit den Neubauprojekten der Messe Basel und Hoffmann-La Roche etc. sind diese beiden Vereine mehr als ausgelastet. Wir bleiben auch in Zukunft ein „kleiner“, aber „feiner“ Quartierverein im Herzen von Basel mit all seinen Vor- und Nachteilen.

Die aktuellen Themen und Projekte

Die zahlreichen Mitwirkungsprojekte sind mittlerweile abgeschlossen. Aktuell gehen die „speziellen Nutzungspläne“ für den Barfüsser-, Markt- und Münsterplatz in den politischen Prozess im Grossen Rat. In der Begleitgruppe „Verkehrskonzept Innenstadt“ werden noch Optimierungen bei den Signalisationen umgesetzt und es wird nach Lösungen gesucht, wie die Probleme mit den zu schnellen Velos

wpid-20151115_154535.jpgin den Fussgängerzonen gelöst werden könnten. Mittelfristig werden wir in einer Begleitgruppe für das mehr als zehn Jahre dauernde Um- und Neubauprojekts des UNI-Spitals vertreten sein. Bei der Umgestaltung des Rümelin-Platzes werden wir hoffentlich, wie bei der Spalenberg-Neugestaltung, bereits in der Planungsphase mitarbeiten dürfen. Langfristig wird das S-Bahnprojekt „Herzstück“, sollte dieses tatsächlich unterirdisch durch die Innerstadt führen, die grösstmögliche Veränderung für unser Quartier zur Folge haben. Dies ist aber „Zukunftsmusik“.

 

Im nächsten Vereinsjahr haben wir genügend Raum, um zusammen mit den neu gewählten Vorstandsmitgliedern, den längst fälligen Generationenwechsel zu vollziehen und unseren Verein zeitgemäss neu zu positionieren.

Basel, 6. April 2016

Das Dokument gibt es als pdF auch hier.