Hund an Saurer Gurke

Wie haben wir uns im Quartierverein „Lääbe in der Innerstadt“ doch in verschiedensten Gremien, gross und klein, präsidial begleitet und auch nicht, darüber den Kopf zerbrochen, wie man den Marktplatz neu nutzen und die Würde des Münsterplatzes mit sinnvoller Gestaltung wahren und doch auch das eine oder andere Neue machen könnte. Jetzt kann man sagen: Das Ei des Kolumbus ist gefunden. Gestern stand es Kopf in der BZ und man glaubte an eine hochsommerliche Zuspitzung einfacher Ideen, aber heute stehts auch in der BaZ,  dann muss es ja wahr sein:

schlafenDie angeblich mal als Joggerin von einem Bernhardiner (Bild aus
http://www.mein-bernhardiner.de) gebissene SP-Grossrätin Tanja Soland hat das Ei auf der stumpfen Seite aufgeschlagen. In einem Anzug fordert sie, man solle doch das angeblich schöne Beispiel des Horburgparks vermehren und den Marktplatz und den Münsterplatz mit einem Hundepark ergänzen, wo Vier- und an sie angeleinte affine Zweibeiner sich sozusagen unter sich austoben können und die zum Beispiel am Nadelberg sonst oft fehlenden gelben oder so passend Ton in Ton braun gefärbten Säcklein immer griffbereit wären. Das würde endlich diese bekanntlich öden zum Teil nur vom ohnehin unhygienischen Handel mit meist toten Pflanzen und Lebensmitteln besetzten Plätze beleben und auch den Hundefreunden und -freundinnen gleich neben dem Wurststand von Eiche®  eine schöne und freundschaftsfördernd enge Bleibe bieten. Laut Baz haben noch andere SP-Mitglieder den Anzug unterschrieben. So wollen sich die SP-Grossräte Franziska Reinhard, Thomas Gander, Georg Mattmüller, Beatriz Greuter, Salome Hofer, Edibe Gölgeli, Jürg Meyer, Brigitte Heilbronner, Toya Krummenacher, Christian von Wartburg sowie Tobit Schäfer als Hundesitter zur Verfügung stellen, wenn ich das nicht falsch verstanden habe. Vielleicht statt im Cafe an Grossratssitzungstagen? Natürlich ist die bürgerliche Seite etwas verstimmt, weil ihr der gute Einfall nicht gekommen ist. Wie der Fuchs mit den sauren Trauben reagieren sie laut BaZ.

Natürlich könnte jetzt die eine oder andere,  an einer anderweitigen sozusagen lauteren kulturellen Nutzung der Plätze interessierte Partei aufjaulen, weil man den schutzlosen Tieren sicher nicht so viele Dezibel zumuten dürfen wird wie den glücklicherweise ohnehin immer tauber werdenden Menschen.

Dabei fragt sich wirklich, ob der Vorschlag nicht eigentlich eine Aufforderung zur Tierquälerei ist und Frau Soland insgeheim (und vielleicht unbewusst) eigentlich was gegen (Bernhardiner-)Hunde hat. Denn wer mal eine Zeit lang  bei üblichem Tramverkehr auf dem Veloparking (oder -haufen) gestanden ist – zum Beispiel weil er einen Platz für seinen Stahlesel suchte, weiss, dass man da bald Herzrasen und kalten Schweiss verspürt. Lebensgefährlich für in Handtaschen passende sensible Caniden. Denn die können auch nicht kalt schwitzen.

Möglich, dass das Ganze nur ein Heissluftballon ist, der in Gestalt einer sauren Gurke über das so oft instagrammierte Rathaus entschwebt. Nicht die Hündeler werden es danken, sondern die von langen Vorlaufzeiten in Sujetfindung geplagten Fasnachtsvereine. Wir befürchten, dass der einzige Hundepark, der neu entsteht, die Fasnacht 17 sein wird.

Und irgendwie hat man den Eindruck, in Basel sei das ganze Jahr 1. April.

PS: Um den Verdacht jeder Kynophobie von sich zu weisen, erklärt der Verfasser, dass er in seiner Jugend mit insgesamt drei echten Deutschen Schäferhunden (Tasso I, Tasso II und Egon von Künisberg, ähnlich diesem hier (von http://www.schäferhundseite.de entlehnt)

schc3a4ferhundaufgewachsen und so auch charakterlich gewachsen und gross geworden ist und sich vom letzten Hund in der Familie – Branco, dem aus dem Zwinger eines französischen Schlosses stammenden Grand Bleu de Gascogne meiner Mutter – durchs Bachlettenquartier ziehen hat lassen.

grand-bleu-de-gascogneDenn Branco – eigentlich nur eine vierbeinige Nase – verfolgte sofort die Spuren im Quartier, allen Zurufen taub. Ob er sich auf dem Marktplatz wohlgefühlt hätte, wird stark bezweifelt. Vielleicht hätte er seinem adligen Naturell folgend, zur unvermummten Meutebildung aufgerufen. Und das will auf dem Marktplatz ja wirklich keine(r).