Das Interview des Monats: Rosita Notter, Modedesign am oberen Andreasplatz

Quartierverein Innerstadt (QV): Rosita, kannst du uns etwas über deinen Hintergrund, deine Ausbildung sagen?
Rosita Notter (RN): Ich habe eine dreijährige Schneiderinnenlehre gemacht an der Frauenfachschule. Nach der Lehre ging ich gleich an die Kunstgewerbeschule und habe die Modefachklasse absolviert wo man nach zwei Jahren ein Diplom bekam. Das war noch kein Studium wie heute; man musste noch keine Matur haben. Aber man konnte trotzdem kreativ sein (lacht). Ich wollte mich dann ursprünglich noch nicht selbständig machen, das war nicht mein Ziel. Aber es war schon damals schwierig, als Modedesignerin eine Stelle zu finden. Man hätte es in Paris oder London versuchen können.
Dann hat mich aber eine Freundin, die die gleiche Ausbildung wie ich hatte, gefragt, ob ich dabei wäre, mit ihr ein Atelier zu eröffnen. Das haben wir dann auch gemacht. Und zwar in einem Haus in der Steinenvorstadt, das kürzlich abgerissen wurde im zweiten Stock, gegenüber dem Kino Küchlin. Das war so ein kleines Backsteinhäuschen, da haben wir angefangen. Das waren zwei Zimmer, eines war der Showroom und das andere das Arbeitszimmer. Damals lief das einfach gleich auf Anhieb. Da gab es eben noch keinen H&M (…so alt bin ich schon, lacht), die jüngeren Leute haben eben wirklich noch Kleider gesucht. Nach ein paar Jahren zogen wir dann in einen Laden an der St. Johann Vorstadt um. Wir hatten dann schon 10 Jahre zusammengearbeitet, gingen aber dann bald eigene Wege. Nach längerer Zeit bezog ich dann wieder mit einer anderen Freundin, Gigi, einen neuen Laden und wir arbeiteten unter dem Namen „Die Zwei“ zusammen.
Vor etwa 6 Jahren wurde dann das Haus mit dem Laden umgebaut und wir mussten ein neues Domizil suchen. Wir haben darauf diesen Ladenraum am Andreasplatz gefunden. Seit etwa zwei Jahren habe ich den Laden nun wieder allein und habe ihn darauf „adrett“ genannt, was eine Plattform für verschiedene Labels sein soll. Seit 2016 arbeite ich auch mit Annina Olga zusammen. Sie hat sich zwei Tage in der Woche eingemietet und arbeitet dann hier im Atelier. Sie ist Textildesignerin und hat sich auf Stricksachen spezialisiert. Das funktioniert sehr toll so zusammen.
Wir machen auch Vernissagen mit Leuten die hier etwas präsentieren möchten. Ich kann den Leuten zwar nicht so viel Laufkundschaft bieten, verlange aber dafür eine eher niedrige Kommission.
QV: Sind es alles neue Sachen die du verkaufst oder in Kommission nimmst?
RN: Ja die sind alle neu.
QV: Und der Schmuck?
RN: Der Schmuck ist von Franziska Rappold, eine Kundin und Freundin aus Freiburg. Ich finde der Schmuck passt auch zu unseren Kleidern, also sehr schlicht. Auch die Taschen von Fiona Losinger aus Bern sind vom Stil her eher beständig und schlicht, so eine Art basic. Man kann aber zB das Leder und das Innenfutter selbst auslesen und dann wird die Tasche bei Ihr nach den Wünschen der Kundinnen hergestellt.
Dann haben wir hier neu das „Skript-book“. Da machen wir am 13. Dezember eine Vernissage dafür. Es ist eine Art Notizbuch, das ist sehr robust, man kann alles auswechseln und das gibt es in drei Farben. Das sind zwei junge Frauen, die das gestaltet haben und sie haben auch eine Agenda im gleichen Stil anzubieten. Sie werden das also hier an dem Apéro präsentieren, wozu sie Einladungen an ihre Leute verschicken werden, der Apéro ist aber für jedermann/frau zugänglich. Da hoffen wir, dass dadurch neue und auch jüngere Leute hier in den Laden kommen. Die Schmuck-Designerin Franziska Rappold und die Taschen-Designerin Laura Margnat werden ebenfalls hier anwesend sein und somit wird das eine bunte Mischung von Leuten sein.
QV: Kannst du auch etwas sagen über deinen Teil, also was im Laden von dir ist?
RN: Wie du weisst ist unser Laden ja hier etwas versteckt, aber für mich ist das auch positiv, weil ich einen grossen Teil der Zeit hinten im Atelier arbeite.
QV: Du stellst das also alles hier her?
RN: Ja, genau. Also die Kleider, die hier vorne hängen, sind von Annina und mir hinten im Atelier hergestellt worden. Es ist ja eine kleine Kollektion, die wir ausstellen und wenn dann die Grösse für jemand nicht passt, kann ich das Kleidungsstück entweder auf Mass neu nähen oder ein Kleid kann gekürzt oder geändert werden.
QV: Von wo kommen die Kundinnen hauptsächlich?
RN: Meistens sind es Kundinnen – natürlich meistens Frauen – aus der Schweiz, die mal eine andere Stadt besuchen und schauen, was es in Basel hat an Kleiderläden. Und viele kommen wieder, sie haben dann das zweite Mal nicht mehr so diese Hemmschwellen. Diese Leute suchen Kleider die es eben nicht überall gibt. Und wir haben ja hier Einzelstücke. Sie machen dann einen Ausflug, verbinden es mit einem Galerien- oder Museumsbesuch und schauen mal bei uns rein oder holen etwas ab, das sie bestellt haben. Natürlich passiert es auch, dass jemand ein Kleid von uns trägt und die Leute fragen woher sie das hat, worauf diese zu uns in den Laden kommen. Aber wie gesagt, Laufkundschaft haben wir eher wenige. Die Touristen vom unteren Andreasplatz sind auch unsicher und wagen es nicht, die Treppe hoch zu uns zu kommen, weil sie meinen es sei hier privat.
QV: Also wünschest du eher einen Laden an der Freien Strasse zu haben?
RN: Nein, gar nicht. Nicht mal an der Schneidergasse. Es ist hier eher fast familiär, so wie in einem Dorf. Im Sommer kann ich auch vor der Tür sitzen zum Handnähen und man trifft sich mit den Anwohnern. Also ich finde es hier sehr angenehm zum arbeiten und sobald ich genug Aufträge habe bin ich sehr zufrieden.
Natürlich muss ich auch mal raus gehen an Messen, Vernissagen und Apéros organisieren oder sonstwie Werbung machen damit die Leute merken, „Ah, die gibt’s ja auch noch!“.

adrett-basel.ch
anninaolga.ch

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