Das Interview des Monats: Andreas Kuster von „Jakob’s Basler Leckerly“ am Spalenberg

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Evelyne Badureaux (sie führt den Laden) und Andreas Kuster

QV-Innerstadt: Wie hat es angefangen? Wie sind Sie zu Jakob’s Basler Leckerly gekommen?

Andreas Kuster: Ich wollte immer selbständiger Unternehmer werden. Als ich noch ganz klein war, hatten meine beiden Grossväter eigene Unternehmen, diese wurden aber verkauft bevor ich etwas dazu beitragen konnte, was auch gut so ist. Ich wusste aber, dass wenn ich ein Unternehmen haben wollte, ich entweder eine zündende Idee haben sollte oder dass ich ein bestehendes Unternehmen kaufen würde.
Als ich und meine Frau vor sechs Jahren nach Basel zogen, haben wir beschlossen ein Unternehmen zu suchen und so haben wir verschiedene Unternehmen angeschrieben. Ich dachte, dass es im Food-Bereich sicher einfacher wäre eine Firma ohne technisches Fachwissen zu entwickeln als zum Beispiel im Decolletagebereich.
Am 5. März 2016 habe ich die Witwe von Hans Strobel, der Besitzerin von Jakob’s Basler Leckerly angerufen. Und als ich fragte, ob sie die Firma verkaufen möchte, hat sie zu meiner grossen Ueberraschung ja gesagt. Beim ersten Besuch der Firma, bin ich zusammen mit meiner Frau Charlotte hingegangen. Wir wollten das Unternehmen als Familienunternehmen weiterführen. Und das war wohl der ausschlaggebende Punkt, dass wir den Zuschlag bekommen haben.

QV: Wie war der Start im neuen Laden am Spalenberg?

AK: Wir haben heute vor fünf Tagen am 31. Juli den Laden eröffnet und der Start hat unsere Erwartungen weit übertroffen. Die Bedingungen waren ja nicht optimal. Es war 38° Celsius und dazu noch Schulferien. Aber wir sind ausserordentlich zufrieden wie es angelaufen ist und freuen uns, dass Baslerinnen und Basler sowie auch etliche Touristen zu unserem Laden pilgern.

QV: Wie finden Sie die jetzige Lage ihres Ladens in der Innerstadt? Sind Sie zufrieden?

AK: Unsere Firma hatte ja bis zur Oelkrise in den 1970er Jahren einen Laden an der Steinenvorstadt 4. Es gab auch einen weiteren Laden, gleich schräg gegenüber an der Steinenvorstadt 34 vom Cousin von Karl Jakob, der da auch fabriziert hat. Dieser Laden hat aber während dieser Zeit zu gemacht, da es ihm finanziell nicht gut ging.
Als meine Frau und ich vor dreieinhalb Jahren den Laden im Sankt-Johann übernommen haben, waren wir entschlossen, irgendwann wieder einen Laden in der Innerstadt zu eröffnen. So viele Möglichkeiten gab es allerdings nicht: Die Freie Strasse hat nicht so zu unserem Produkt gepasst und die Steinenvorstadt hat sich auch anders entwickelt gegenüber früher. Es blieben also die Gegend Gerbergasse, Schneidergasse und Spalenberg. Unser Traum war eigentlich schon immer der schöne Spalenberg.
Es war dann etwas schwierig, uns für das Lokal am Spalenberg zu entscheiden, weil der Laden Ende April – inmitten des Corona-Lockdowns – auf den Markt kam. Aber so eine Gelegenheit kommt ja nicht jeden Tag. Wir haben dann ein paar Tage überlegt und uns dafür entschieden und wir sind jetzt glücklich, dass wir so entschieden haben. Wir liegen ja auch mit der Produktion im Sankt-Johann innerhalb der „Mauer“ (ehemalige Stadtmauer). Wir produzieren seit 267 Jahren in der Basler Altstadt und jetzt sind wir sogar wieder im Herzen der Altstadt vertreten.

QV: Möchten Sie noch etwas sagen zum Sortiment oder der Fabrikation?

AK: Unser Unternehmen ist eine reine Manufaktur. Es wird alles von Hand gemacht und verpackt. Die Leckerly enthalten 7 natürliche Rohstoffe und keine Zusatzstoffe. Wir haben auch aus jedem Jahrhundert, seit die Firma existiert, mindestens ein Rezept. Da gibt es zum Beispiel auch die „Steiger’schen Basler Leckerly“. Das Rezept stammt ganz vom Anfang der Firma.
Bis 1895 war unser Unternehmen an der Schneidergasse 20 lokalisiert, im Haus wo sich jetzt das Restaurant „Hasenburg“ befindet. Wir kommen also jetzt wieder zurück ins Quartier wo alles angefangen hat.
Wir machen auch Führungen in der Manufaktur. Da können Sie die Einrichtungen sehen und wir erklären alles von der Vorgeschichte bis zum Verpacken. Und Sie können vor allem auch reichlich Leckerly degustieren.

QV: Haben Sie noch Wünsche an die Innerstadt, an Basel oder könnte man noch etwas verbessern?

AK: Ich finde es wichtig, dass die Innerstadt belebt ist, und zwar durch Leute die hier wohnen und arbeiten und durch Läden und Restaurants. Und dass Aktivitäten stattfinden. Nicht nur Grossanlässe wie «em Bebbi sy Jazz» sondern auch kleinere Anlässe wie der «Spalenberg Brunch» usw. Die Innenstadt soll die lebhafte Alternative zum Versandhandel sein. Hier sollen auch die Ladenbesitzer etwas dazu beitragen, und wir werden sicher versuchen, da mitzuhelfen.

QV: Wir könnten jetzt noch die gesamte Chronologie der Entstehung von Jakob’s Basler Leckerly durchnehmen…

AK: Klar, die Firmengeschichte ist sicher sehr interessant, aber mich interessiert nun eigentlich viel mehr was jetzt kommt, unsere Zukunft.

Jakob’s Basler Leckerly, Spalenberg 26. Geöffnet Mo 14–18.30 Uhr, Di–Fr 10–18.30 Uhr und Sa 10–17 Uhr. http://www.baslerleckerly.ch

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