Von spanischen Fussgängerzonen und böhmischen Dörfern

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Hier weiss jede(r) was gemeint ist. Fussgängerzone Plaza de la Alfalfa in Sevilla, Spanien.

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Hier versteht man eher böhmische Dörfer…(gemeint sind die winzigen Täfelchen unter der Fussgängerzonen-Tafel welche die Velofahrer zum Fahrrad-Stossen anregen sollten, jedoch meist mit irgendwas verklebt sind)

Uriellas Rache am Nadelberg 12

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Aus onlinereports.ch

Hier der ganze Artikel:
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Das Interview des Monats: Tilmann Schor als VAXI-Unternehmer

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Foto: Meret Buser

QV Innerstadt (QV): Til, wie heisst dein Velotaxi und wie ist dieses Verkehrsmittel entstanden?
Tilmann Schor (TS): Mein Velotaxi, was ein geschützter Begriff ist in Deutschland, nennt sich als Abkürzung VAXI. Zwei innovative Leute hatten in Berlin Kreuzberg um 1997 Velos nach dem Rikscha Prinzip wie in Indien so ausgebaut und mit einer PVC Verschalung versehen, dass hinter dem Fahrer noch zwei Fahrgäste bequem Platz hatten. Man hat die Fahrzeuge dann nach dem Franchising System an Leute ausgeliehen die sich auf diese Weise selbständig machen wollten. Das funktioniert aber nur gut wenn man auf dem Fahrzeug Werbung anbringt und auf diese Weise die Unterhaltskosten decken kann. Bei der Klassifizierung wurden diese Fahrzeuge in Deutschland als Fahrrad zugelassen.
QV: Und dies mit Elektro-Unterstützung?
TS: Die Elektro-Unterstützung ist vor allem nötig mit Passagieren zum Anfahren und bei Steigungen. Bei den Rikschas, so wie in Delhi, rennt der Fahrer zuerst neben dem Fahrzeug her bis es eine gewisse Geschwindigkeit hat, die haben keine Motoren.Da wir praktisch immer im Schritttempo fahren, erschrecken wir keine Fussgänger. Wir regen darum seit Jahren dazu an, Velotaxis in der Fussgängerzone fahren zu lassen oder festgelegte Touren durch die Innenstadt bewilligt zu bekommen.
QV: Wie viele Fahrzeuge und Fahrer sind bei dir im Dienst?
TS: 1-3 VAXIs sind als Taxidienst von Donnerstag bis Samstag unterwegs. Während der grossen Messen, wenn wir als Gratis-Shuttle engagiert sind, sind bis 5 VAXIs unterwegs.
QV: Gibt es Unfälle?
TS: Bis heute verkehren die Velotaxis weltweit unfallfrei. Allerdings kursiert eine Geschichte, die einem Rikschapionier in New York passiert sein soll. Der Erfolg war gross und seine Flotte wuchs und wuchs, bis eines Tages ein Touristenbus eine Rikscha rammte. Die Fahrgäste nahmen Schaden und die Kosten waren gewaltig. Der Unternehmer hatte keine Versicherung, was ihn finanziell das Genick brach.
QV: Wie ist es hier mit der Versicherung für das VAXI?
TS: Natürlich haben wir eine Versicherung, da gibt es Vorschriften. Die Kosten sind relativ hoch, wenn man berücksichtigt, dass wir sehr langsam, vornehmlich auf ungefährlichen Strassen, bei Tageslicht und schönem Wetter unterwegs sind. Egal, wir tragen eine Verantwortung unseren Fahrgästen gegenüber, sie sicher ans Ziel zu bringen.
QV: Du bist also Gründer deines Unternehmens und musstest dir dazu die geeigneten Fahrzeuge beschaffen. Hast du diese selbst gebaut oder sie fixfertig eingekauft?
TS: Das käme viel zu teuer wenn man solche Fahrzeuge, die man für den Personentransport einsetzt, selbst bauen würde. Und zwar wegen der Verkehrszulassung. Diese müssten bis ins Detail von Experten geprüft werden und das ginge in die zehntausende an Kosten für diese Tests.
QV: Also du kauft diese Velotaxis im Handel ein?
TS: Ja, das war so: An der Expo 2002 in Biel hat man 20 von diesen Fahrzeugen importiert. Es gab da ein Centre d’information sur la mobilité, welches die Geschichte promotete. Der Velo-Kurier in Biel hat die Fahrzeuge dann verwendet. Die RATP Paris hat dort zusätzlich auch Elektrobusse eingesetzt. Man hat also vor 17 Jahren anlässlich der Expo schon begonnen Elektrofahrzeuge einzusetzen.
Unsere Velotaxis sind mit ihrer langsamen Fahrweise gut geeignet für Fussgängerzonen. Die Velotaxis verloren nach der Expo02 ihren Verwendungszweck, weil es in den Schweizer Städten kaum Fussgängerzonen gab. Man hat die Fahrzeuge dann ins Ausland verkauft. Ich konnte 2011 zwei VAXIs zurückholen, mitsamt den Schweizer Zulassungspapieren. Sie mussten nur das gewöhnliche Wiederinverkehrsetzungsverfahren bei der MFK schaffen. Hätte ich sie neu eingekauft, hätte ich 3 bis 4’000 Franken ausgeben müssen für die Zulassungspapiere. Ein Velotaxi ist in der Schweiz als Motorrad klassifiziert. Das hat noch andere Auswirkungen. Bei einem Fahrverbot, wo Velos fahren dürfen, darf ich nicht fahren, weil mein Fahrzeug als Motorrad gilt. Geht es um die Sicherheit, dann wäre mein Vorschlag, die Velotaxis als Velo zu klassifizieren, aber zusätzlich zur periodischen Prüfung auf der MFK zu verpflichten.
QV: Dann darfst du also nicht in die „Fussgängerzone“ (Blaues Schild mit Frau oder Mann mit Kind) reinfahren?
TS: Nein. Interessant ist, in Freiburg im Breisgau heisst das Gleiche “Umweltzone”, wo Fahrzeuge, die weder Abgase noch Lärm verursachen, fahren dürfen. In der Schweiz wollte man das nicht, sondern hat “Fussgängerzonen” eingeführt
Der Begriff Umweltzone beschwört keine Probleme zwischen Fussgängern und Velofahrern herauf. Das Kredo der Umweltzone ist eben nachhaltige Mobilität. In der Schweiz sieht man bei Gemischtnutzung in Innenstädten nur die Konflikte und man regt sich über den Regelverstoss auf, wenn mal ein Velofahrer in der Fussgängerzone zwischen den Fussgängern durchfährt.
QV: Dann darfst du also nach 11 Uhr morgens nicht die Freie Strasse herunter fahren?
TS: Nein, im Prinzip nicht, da allgemeines Fahrverbot gilt. Allerdings hat man sich nach langem Debakel mit dem Sicherheitschef der Polizei darauf einigen können, dass wir als Velotaxis eine Taxi-Lizenz erwerben können. Da gibt es kleine und grosse Lizenzen und wir haben eine kleine. Das ist somit eine relativ gute Lösung. Wir können auf diese Weise unsere Fahrzeuge auch auf den Taxistandplätzen abstellen und Betagte oder mobilitätseingeschränkte Menschen in den Innerstadtgassen abholen.
QV: Dann sind ja alle Probleme gelöst?
TS: Nicht unbedingt. Es gab auch das Problem dass wir eigentlich relativ langsam sind mit unsern Velotaxis, wenn z.B. ein Tram hinter uns fährt. Die BVB hat sich dann auch eingeschaltet und wir mussten jahrelang kämpfen, dass wir über die Mittlere Brücke und die Greifengasse fahren durften. Wir mussten zuerst einen Umweg über die Riehentorstrasse fahren. Wir wollten eigentlich einen VIP-Service von der Basel-World in die Innerstadt einführen. Bei diesem Bewilligungsverfahren mussten wir uns auch intensiv mit Verkehrspolitik befassen. Nach mehreren Jahren hat es uns dann geholfen, dass die Clarastrasse und die Mittlere Brücke autofrei wurden, somit wir diese Strecke jetzt durchfahren dürfen. Weil unsere Radspur ein Meter beträgt, können wir genau auf den Tramschienen fahren. Da hat es keine Schlaglöcher.
QV: Wo wird das VAXI am meisten eingesetzt?
TS: Das Gerät sollte eigentlich am meisten an Messen eingesetzt werden. Wir sind auch an der Muba und Baselworld vertreten, erleben aber viele Einschränkungen. Velotaxis werden zum Beispiel in Hannover, Berlin und Frankfurt als Messegeländefahrzeug eingesetzt. In Basel wird das Velotaxi auf dem Messeplatz nicht toleriert. Ich habe mein Fahrzeug auf dem Messeplatz auch schon geschoben, da hat mich sofort ein Polizist vom Platz verwiesen unter Androhung einer Busse. Dass man ein Gerät, das eigentlich für diesen Zweck geschaffen wurde, in Basel nicht anwenden kann, macht mich traurig. Dabei hat man früher an der Muba schon Feldschlösschen-Bierwagen mit Pferden, Solarmobile und die kleinen Züge für Kinder auf Schienen auf dem Platz fahren lassen.
Möglicherweise hat es auch damit zu tun, dass mit der neuen Architektur der Raum unter dem grossen Loch (das Messe-Gebäude von Herzog & DeMeuron) ziemlich dunkel ist und das zu mehr Unfällen führen könnte und somit dort jeglicher Verkehr ausser dem Tram ausgeschlossen ist.
QV: Da hat es ja auch diesen Fahrservice von Mercedes, an der Isteinerstrasse während der der Art.
TS: Ja, genau. Die Leute reissen sich um die VIP-Tickets und wollen mit einem tollen Mercedes oder Tesla rumkutschiert werden. Dabei sehen sie durch die getönten Scheiben gar nicht viel von Basel. Das Ganze ist auch fragwürdig, dass der Velostadt Basel der Mercedesstern aufs Auge gedrückt werden kann. Der Service ist gratis, die Fahrzeuge, Fahrer und Hostessen sind alle aus Deutschland und schaffen somit in Basel keine Arbeitsplätze. Selbstverständlich dulden sie dann in der Isteinerstrasse keine Velotaxis, obwohl es dort ja mehr als genug Platz hätte.
Es gab am Anfang mal eine Zusammenarbeit mit Tourismus Basel, mit der Idee, Velotaxis an der Messe als Shuttles auf der Achse Messe-Innerstadt einzusetzen. Ein Jahr danach kamen aber Sicherheitsbedenken von Seiten BVB. Es dauerte 3 Jahre, bis die direkte Tour Mittlere Brücke zur Clarastrasse bewilligt wurde. Bei der Art Basel kamen wir dann beim Art-Walk wieder zum Zug, wo verschiedene Kunstwerke in der Stadt um den Münsterplatz aufgestellt sind. Die ganze Innenstadt als Messegelände zu sehen entspricht unserer Geschäftsidee.
QV: Gibt es denn irgend ein Sinn-Image oder -Funktion für euch in einer Stadt?
TS: Das funktioniert in Städten wie Barcelona oder Berlin eben bereits viel besser als in Basel. Die Velotaxis sind dort allgegenwärtig und es ist dort normal, dass sich neugierige Leute einfach mal rein sitzen und fragen, wo es was Gutes zu sehen gibt? Oder Sie haben konkrete Wünsche, wollen in ein Nagelstudio oder zum Lunch in ein gutes Lokal. Da kann der Fahrer Tipps geben.
QV: Was kostet eine Fahrt bei euch?
TS: Tarife sind CHF 1.- / Min. bei der Spontanfahrt ab Taxistand oder wenn ein leeres VAXI bei der Vorbeifahrt angehalten wird. Bei Reservation sind es CHF 1.50.- / Min. Die Minimaltarife sind im Formular auf vaxi.ch angegeben. Dazu kommt bei Fahrten in die Peripherie Riehen, Binningen, Birsfelden etc. die Leerfahrt (in der Regel ca. CHF 30.-). Es gibt auch Gutscheine zu CHF 90.- für eine Rundfahrt, plus 5.- wenn als Geschenk verpackt und dem Porto fürs Verschicken. Auf Wunsch gibt es auch für CHF 15.- zwei Prosecco (Bio) serviert im Glas oder ayurvedischen Tee.
QV: Gut, das ist dann günstiger als ein Taxi, zumindest pro Zeit, und man hat mehr vom Sightseeing, gerade in der wärmeren Jahreszeit. Habt ihr denn auch Sponsoren?
TS: Ja, wir durften in der Vergangenheit mit ProInnerstadt zusammenarbeiten, TheaterBasel, tibits, Coop, IWB Ökoenergie, Reformhaus Müller, die WOZ, Ökostadt Basel, VCS, Pro Velo, das Amt für Mobilität, das Amt für Umwelt und vielen anderen mehr. Über 4 Jahre hinweg hatten wir jeweils das Glück, zur Eröffnung der Velotaxi-Saison einen Shuttlebetrieb für einen Uhrenerfinder aufzuziehen, um Journalisten, Sammler und angemeldete Kunden aus aller Welt von der Baselworld schnell und sicher zum Hotel Drei König zu fahren. Der Transfer mit Velotaxis war nicht zu übersehen und eine grosse Uhrenmarke wurde auf uns aufmerksam. Damit hatten wir 2018 den Auftrag, Messebesucher zur Gratisfahrt zu motivieren. Der Fahrer hatte gleichzeitig den Fahrgästen eine Uhr zu präsentieren. Auch damit sollte es eine Fortsetzung geben: Weil die Marke den Chinesen gehörte und Schweizer Marken verärgern könnten, brachte die Messeleitung die Idee ins Spiel, einen VIP-Velo-Shuttle für die Baselworld umzusetzen. Das war 2018. Heute ist leider kein Stein mehr auf dem Anderen. Die Gespräche sind noch im Gange.
Wir versuchen auch mit „SCOPE“ zu verhandeln, eine alternative Kunstmesse aus New York, die vielleicht eher für unorthodoxe Transportlösungen zu haben ist oder Foto-Basel im Volkshaus, die beide während der Art Basel im Juni ebenfalls ausstellen. Mit einem Auftrag für eine grosse Marke pedalen zu dürfen, hilft uns sehr bei den Bewilligungsverfahren. Bei den Gesprächen mit den Sponsoren erfolgreich zu sein ist sehr wichtig für die Fortsetzung der Velotaxis in Basel.

Weitere Links:
 VAXI.ch

https://www.velotaxi-basel.ch/2016-06-17/10-jahre-velotaxi-in-der-schweiz

https://nowthefair.ch/discover/amt-fuer-umwelt-und-energie

 

Neue Tramlinien in beiden Basel: auch durch die Basler Innerstadt

Die  Regierungen beider Basel haben heute Details aus der Studie „Tramnetz 2040“ bekannt gegeben. Darin zeigen sie auf, wie Tram-Infrastruktur und -Linien bis in zwanzig Jahren ausgebaut werden sollen.
Hauptprojekte sind die Tramlinie ins Klybeck, durch den Claragraben (Linie 8) und den Petersgraben (Linie 16). Die letztere soll die stark frequentierte Buslinie 30 zwischen dem Bahnhof SBB und der Universität sowie den Spitälern entlasten. Dadurch sollen neue Wohn- und Arbeitsgebiete mit dem Stadtzentrum und den Bahnhöfen verbunden werden und es sollen auch weniger Trams durch die Innerstadt fahren.

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Der obige Plan zeigt nur das Stadtzentrum. Ein grösserer Plan kann in den nachfolgenden Links heruntergeladen werden.

Weitere Infos:
http://www.bvd.bs.ch/nm/2019-neue-areale-erschliessen-bessere-tramverbindungen-von-den-quartieren-ins-stadtzentrum-schaffen-und-mehr-flexibilitaet-ins-netz-bringen-rr.html

https://telebasel.ch/2019/01/14/neue-tramlinien-nehmen-fahrt-auf/

http://onlinereports.ch/News.117+M5a11cf925f1.0.html

 

Einladung: Informationsabend zum geplanten Pilotprojekt Quartierkoordination Breite, Gellert, Innenstadt

In den letzten Jahren wurde in den Quartieren aus Basel-Ost (insbesondere in der Breite) mehrfach der Wunsch geäussert, von den Dienstleistungen eines Stadtteilsekretariates oder einer Quartierkoordination profitieren zu können. Die Kantons- und Stadtentwicklung hat den Prozess zur Klärung einer Umsetzung unterstützt und in den folgenden Monaten Workshops organisiert wo Ideen entwickelt und Vorschläge für die Umsetzung der Quartierkoordination erarbeitet wurden. Die Umsetzung des favorisierten «Kombi-Modells» wurde bestätigt. Neben der Quartierkoordination Gundeldingen soll eine weitere Trägerschaft aufgebaut werden, die für die Breite, Gellert und die Innenstadt zuständig ist.

Die Projektgruppe lädt nun zu einem informationsabend zum geplanten Pilotprojekt „Quartierkoordination Breite, Gellert, Innenstadt“ ein.

Montag, 21. Januar 2019 ab 19h im Treffpunkt Breite, Zürcherstrasse 149

Mit diesem Anlass sollen möglichst viele Vereine und Organisationen aus der Breite, dem Gellert und der Innenstadt erreicht und über die angedachten weiteren Schritte informiert werden. Dadurch soll breit abgestützt in einer Pilotphase gestartet werden können. Die Gründungsversammlung des Trägervereins wird am 20. Februar 2019 um 19h stattfinden.

Bitte melden Sie Ihre Teilnahme bis zum 19.1.19 an: dominique.koenig@dkoenig.ch

Weitere Informationen zu den Stadtteilsekretariaten Kleinbasel und Basel-West sowie der Quartierkoordination Gundeldingen finden Sie unter http://www.stadtteilsekretariatebasel.ch

 

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Und übrigens:

Podiumsdiskussion zur Umgestaltung der St Alban-Vorstadt

Gegen den Grossratsbeschluss vom 19.09.2018 zur Umgestaltung der St Alban Vorstadt wurde das Referendum ergriffen. Am 10.02.2019 kommt es zur kantonalen Abstimmung.

Der neutrale Quarierverein St Alban-Gellert lädt zur Podiumsdiskussion ein am

Montag, 14, Januar 2019, 18:30 Uhr
Vorstadttheater, St Alban-Vorstadt 12 Basel

Neues im Menu des QV-Innerstadt-Blogs

1. Leser-Meinungen. Sie dürfen hier ihre Meinung zu aktullen Themen bekannt geben. Schicken Sie ihre Email an info@qv-innerstdt.ch und beauftragen Sie uns, diese zu publizieren.

2. Zytige sind nun alle on-line zum herunterladen unter „ZYTIG“.

 

 

 

Weihnachtsapéro 2018 mit Führung im Basler Münster

Eine Gruppe von etwa 30 Leuten hatte sich am Abend des 12. Dezember eingefunden zu einer Führung durchs Basler Münster durch unser Vorstandsmitglied und Münsterpfarrerin Caroline Schröder Field. Der Hauptteil der Führung galt den Fresken in der Krypta. Diese wurden beim Wiederaufbau des Münsters nach dem Erdbeben von Basel 1356 erstellt, bei dem der Chor und das Dach einstürzten.

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Fresken im mittleren  (oben) und im südlichen Gewölbe der  Ostkrypta (mitte und unten), beide um 1400. Oben die Anbetung der Könige und mitte Joachim, wie er aus dem Tempel gewiesen wurde, eine Geschichte aus dem Protoevangelium des Jakobus. Unten eine Szene mit Joachim und Anna an der goldenen Pforte. Sie gelten laut dieser Schrift als  Eltern der hl. Maria, d.h. als Grosseltern von Jesus.

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Nach der Führung begaben sich die Teilnehmer in die gemütliche Hofstube des Bischofs-hofes gleich neben dem Münster wo ein manches Gespräch entstand bei Glühwein, Christstollen (von Martha Berger gebacken nach Rezept Karin Strub) und Weihnachts-gutzi.

https://www.baslermuenster.ch/

https://de.wikipedia.org/wiki/Joachim_(Heiliger)

Das Interview des Monats: Rosita Notter, Modedesign am oberen Andreasplatz

Quartierverein Innerstadt (QV): Rosita, kannst du uns etwas über deinen Hintergrund, deine Ausbildung sagen?
Rosita Notter (RN): Ich habe eine dreijährige Schneiderinnenlehre gemacht an der Frauenfachschule. Nach der Lehre ging ich gleich an die Kunstgewerbeschule und habe die Modefachklasse absolviert wo man nach zwei Jahren ein Diplom bekam. Das war noch kein Studium wie heute; man musste noch keine Matur haben. Aber man konnte trotzdem kreativ sein (lacht). Ich wollte mich dann ursprünglich noch nicht selbständig machen, das war nicht mein Ziel. Aber es war schon damals schwierig, als Modedesignerin eine Stelle zu finden. Man hätte es in Paris oder London versuchen können.
Dann hat mich aber eine Freundin, die die gleiche Ausbildung wie ich hatte, gefragt, ob ich dabei wäre, mit ihr ein Atelier zu eröffnen. Das haben wir dann auch gemacht. Und zwar in einem Haus in der Steinenvorstadt, das kürzlich abgerissen wurde im zweiten Stock, gegenüber dem Kino Küchlin. Das war so ein kleines Backsteinhäuschen, da haben wir angefangen. Das waren zwei Zimmer, eines war der Showroom und das andere das Arbeitszimmer. Damals lief das einfach gleich auf Anhieb. Da gab es eben noch keinen H&M (…so alt bin ich schon, lacht), die jüngeren Leute haben eben wirklich noch Kleider gesucht. Nach ein paar Jahren zogen wir dann in einen Laden an der St. Johann Vorstadt um. Wir hatten dann schon 10 Jahre zusammengearbeitet, gingen aber dann bald eigene Wege. Nach längerer Zeit bezog ich dann wieder mit einer anderen Freundin, Gigi, einen neuen Laden und wir arbeiteten unter dem Namen „Die Zwei“ zusammen.
Vor etwa 6 Jahren wurde dann das Haus mit dem Laden umgebaut und wir mussten ein neues Domizil suchen. Wir haben darauf diesen Ladenraum am Andreasplatz gefunden. Seit etwa zwei Jahren habe ich den Laden nun wieder allein und habe ihn darauf „adrett“ genannt, was eine Plattform für verschiedene Labels sein soll. Seit 2016 arbeite ich auch mit Annina Olga zusammen. Sie hat sich zwei Tage in der Woche eingemietet und arbeitet dann hier im Atelier. Sie ist Textildesignerin und hat sich auf Stricksachen spezialisiert. Das funktioniert sehr toll so zusammen.
Wir machen auch Vernissagen mit Leuten die hier etwas präsentieren möchten. Ich kann den Leuten zwar nicht so viel Laufkundschaft bieten, verlange aber dafür eine eher niedrige Kommission.
QV: Sind es alles neue Sachen die du verkaufst oder in Kommission nimmst?
RN: Ja die sind alle neu.
QV: Und der Schmuck?
RN: Der Schmuck ist von Franziska Rappold, eine Kundin und Freundin aus Freiburg. Ich finde der Schmuck passt auch zu unseren Kleidern, also sehr schlicht. Auch die Taschen von Fiona Losinger aus Bern sind vom Stil her eher beständig und schlicht, so eine Art basic. Man kann aber zB das Leder und das Innenfutter selbst auslesen und dann wird die Tasche bei Ihr nach den Wünschen der Kundinnen hergestellt.
Dann haben wir hier neu das „Skript-book“. Da machen wir am 13. Dezember eine Vernissage dafür. Es ist eine Art Notizbuch, das ist sehr robust, man kann alles auswechseln und das gibt es in drei Farben. Das sind zwei junge Frauen, die das gestaltet haben und sie haben auch eine Agenda im gleichen Stil anzubieten. Sie werden das also hier an dem Apéro präsentieren, wozu sie Einladungen an ihre Leute verschicken werden, der Apéro ist aber für jedermann/frau zugänglich. Da hoffen wir, dass dadurch neue und auch jüngere Leute hier in den Laden kommen. Die Schmuck-Designerin Franziska Rappold und die Taschen-Designerin Laura Margnat werden ebenfalls hier anwesend sein und somit wird das eine bunte Mischung von Leuten sein.
QV: Kannst du auch etwas sagen über deinen Teil, also was im Laden von dir ist?
RN: Wie du weisst ist unser Laden ja hier etwas versteckt, aber für mich ist das auch positiv, weil ich einen grossen Teil der Zeit hinten im Atelier arbeite.
QV: Du stellst das also alles hier her?
RN: Ja, genau. Also die Kleider, die hier vorne hängen, sind von Annina und mir hinten im Atelier hergestellt worden. Es ist ja eine kleine Kollektion, die wir ausstellen und wenn dann die Grösse für jemand nicht passt, kann ich das Kleidungsstück entweder auf Mass neu nähen oder ein Kleid kann gekürzt oder geändert werden.
QV: Von wo kommen die Kundinnen hauptsächlich?
RN: Meistens sind es Kundinnen – natürlich meistens Frauen – aus der Schweiz, die mal eine andere Stadt besuchen und schauen, was es in Basel hat an Kleiderläden. Und viele kommen wieder, sie haben dann das zweite Mal nicht mehr so diese Hemmschwellen. Diese Leute suchen Kleider die es eben nicht überall gibt. Und wir haben ja hier Einzelstücke. Sie machen dann einen Ausflug, verbinden es mit einem Galerien- oder Museumsbesuch und schauen mal bei uns rein oder holen etwas ab, das sie bestellt haben. Natürlich passiert es auch, dass jemand ein Kleid von uns trägt und die Leute fragen woher sie das hat, worauf diese zu uns in den Laden kommen. Aber wie gesagt, Laufkundschaft haben wir eher wenige. Die Touristen vom unteren Andreasplatz sind auch unsicher und wagen es nicht, die Treppe hoch zu uns zu kommen, weil sie meinen es sei hier privat.
QV: Also wünschest du eher einen Laden an der Freien Strasse zu haben?
RN: Nein, gar nicht. Nicht mal an der Schneidergasse. Es ist hier eher fast familiär, so wie in einem Dorf. Im Sommer kann ich auch vor der Tür sitzen zum Handnähen und man trifft sich mit den Anwohnern. Also ich finde es hier sehr angenehm zum arbeiten und sobald ich genug Aufträge habe bin ich sehr zufrieden.
Natürlich muss ich auch mal raus gehen an Messen, Vernissagen und Apéros organisieren oder sonstwie Werbung machen damit die Leute merken, „Ah, die gibt’s ja auch noch!“.

adrett-basel.ch
anninaolga.ch

Zur Erinnerung: Hogg im Schlüssel mit Gast Jürg Humbel aus der Spalenvorstadt

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Mittwoch den 14. November 2018 ab 19:30. Stellen Sie Fragen und diskutieren Sie mit im Zusammenhang mit der Verschiebung der Tramhaltestelle vor das Spalentor an den Experten von der IG-Spalenvorstadt, Jürg Humbel. Unser Quartierverein ist zwar nur für die eine Strassenhälfte der Spalenvorstadt zuständig, aber das Interesse dürfte trotzdem gross sein. Es geht dabei im weiteren Sinn um die Erneuerung der Burgfelderstrasse, Missionsstrasse und Spalenvorstadt.

Das Interview des Monats: Ali und Besey Sazpinar vom Restaurant Pinar an der Herbergsgasse

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QV: Ali und Besey, von wo kommt ihr ursprünglich?

Ali Sazpinar (AS): Wir kommen aus der Provinzstadt Kahramanmaras, Kreisstadt Pazarcik in der Türkei. Das ist vom Meeresstrand Südtürkei etwa 300 Kilometer.

QV: Wie habt ihr beschlossen nach Basel zu kommen und warum?

AS: Wir haben beide einen Matura Abschluss in der Türkei. Ich war in einer pädagogischen Hochschule angemeldet zum weiterstudieren. Meine Frau Besey wurde nach dem Examen angestellt um als Staatspersonal auf dem Grundbuchamt zu arbeiten und hat da zwei Jahre gearbeitet. Da war es für mich als Student nicht gut gewesen, da die Schule, wo ich angemeldet war, wegen Unruhen nach kurzer Zeit wieder geschlossen wurde. Ich wurde mehrere male festgenommen weil ich an einer 1. Mai Kundgebung teilgenommen oder Flugblätter verteilt hatte. Meine Wohnung wurde auch durchsucht und Bücher wurden mitgenommen auf den Polizeiposten. Da habe ich beschlossen, dass ich nicht länger da bleiben wollte sondern aus der Türkei ausreisen wollte.

Besey Sazpinar (BS): Ich war auch bei den politischen Unruhen dabei, da musste ich meine Stelle verlassen. Ali war da schon in der Schweiz und ich wollte auch rauskommen aus der Türkei.

AS: Hier muss man noch anfügen, am 20. Dezember 1978 hat es in der Privinzstadt Karamanmaras, wo wir herkommen, ein Massaker gegeben. Die Radikalislamisten zusammen mit den Nationalisten haben bei der kurdischen Bevölkerung Wohnungen und alles in Brand gesteckt. Wir waren dabei auch betroffen davon, waren aber Ueberlebende bei diesen Angriffen.

BS: Das alles hat vier Tage gedauert und mehr als 1000 Menschen sind dabei ums Leben gekommen, auch Fauen und Kinder und ältere Menschen. Das ist eine längere Geschichte. Aber wir wollten so wirklich nicht mehr da bleiben.

QV: Konntet ihr dann hier Asyl beantragen?

AS: Ja. Ich bin dann zuerst mit Hilfe von meinem Onkel nach Deutschland gekommen und blieb dort im ganzen dreieinhalb Jahre. Ich war der Erste aus unserer Umgebung der dort damals einen Asylantrag gestellt hat. Nach dem Antrag war ich sechseinhalb Monate lang schwer krank und musste diese Zeit in einem Sanatorium in Deutschland verbringen. Ich hatte damals eine Vorladung zu einem Verhandlungstermin der Asylbehörde bekommen, habe den aber wegen der Krankheit verpasst. Dadurch habe ich mich dann sozusagen schwarz in Deutschland aufgehalten.
Ich habe mich dann entschieden in der Schweiz einen Asylantrag zu stellen. Dadurch bin ich am 30. Mai 1983 von Deutschland nach Basel gekommen und habe hier Asyl beantragt.  Besey war da immer noch in der Türkei. Für mich war aber klar, dass ich nicht in die Türkei zurück wollte. Wenn wir eine gemeinsame Zukunft haben wollten, war klar, dass Besey nach Basel kommen musste. Ich habe ihr dann geholfen dabei und sie ist in die Schweiz gekommen.

BS: Ich war zuerst 15 Monate im Kanton Tessin. Ich habe dann nach kurzer Zeit angefangen in einem Restaurant in der Küche zu arbeiten. Ali und ich durften aber als Flüchtlinge nicht heiraten hier in der Schweiz, dazu mussten wir einen anerkannten Flüchtlingsstatus haben. Nach einem langen Kampf konnten wir dann heiraten, dann bin ich nach Basel gekommen.

AS: Ja, wir haben 1985 hier in Basel auf dem Zivilstandsamt an der Rittergasse offiziell geheiratet. Ich war auch nicht lange arbeitslos, nachdem ich hier angekommen bin. Nach wenigen Monaten habe ich eine Stelle bei einer Gärtnerei in Bottmingen gefunden und blieb dort für 17 Monate. Dann hatte ich noch mehrere andere Stellen, wo ich gearbeitet habe.
Dann im Oktober 1990 hat Besey zusammen mit einer Bekannten den Vorschlag gemacht, selbständig zu werden und einen kleinen Laden zu eröffnen mit Lebensmitteln und türkischer Metzgerei. Wir mussten aber noch einen Raum finden. Wir konnten dann diesen Raum hier mieten, wir haben ihn umgebaut mit Kebabstand und Laden und kleiner Imbissecke und haben ihn 1991 im Oktober eröffnet. Im ersten Jahr ist der Kebabstand ganz gut gelaufen aber der Laden gar nicht. Wir haben dann im 1993 ein Gesuch eingereicht für einen Restaurantbetrieb und haben die Bewilligung bekommen. Wir haben über Ostern einen kleinen Umbau gemacht und den Laden in ein Restaurant umgewandelt.

QV: Habt ihr aber das Restaurant in der Zwischenzeit nicht schon mal renoviert?

BS: Ja, drei mal im ganzen. Im 1991 waren das ja drei Läden nebeneinander, diese haben wir dann nach und nach zusammengelegt.

AS: Das war auch eine alte Liegenschaft. Diese wurde im 1995 versteigert und von einer Stiftung der Universität gekauft. Wir haben dann bald einen Brief bekommen von der Stiftung wo uns gesagt wurde, dass die Liegenschaft totalsaniert würde, dass sie aber kein Restaurant mehr darin haben wollten. Hans Nidegger, der Gründer von Ueli Bier hat das dann mitbekommen. Für uns war das natürlich ein Schock, dass wir da ausziehen sollten. Hans Nidegger hat dann zusammen mit anderen Leuten an die Uni Stiftung geschrieben und uns unterstützt.
Nach ein paar Wochen haben wir eines Tages eine telefonische Platzreservierung bekommen für drei Personen. Das waren drei Frauen von der Uni Stiftung, die hier gegessen haben. Diese haben uns dann nach dem Essen mitgeteilt, dass sie von der Stiftung sind und sie an einer nächsten Sitzung mit dem Stiftungsrat ein gutes Wort für uns einlegen wollen. Wir hatten bald danach auch noch ein Treffen mit dem Präsidenten der Stiftung, Christoph Albrecht, ein Jurist, und wir hatten einen Studenten der juristischen Fakultät dabei. Man hat uns dann erlaubt, das Restaurant nach der Renovierung weiterhin zu betreiben. Wir hatten von Oktober 1996 bis Oktober 1997 eine Pause, da das Gebäude saniert wurde. Seither sind wir Mieter von der Uni Gästehausstiftung.

BS: Und gerne hier!

QV: Ihr fühlt ihr euch wohl hier im Quartier?

AS: Ja, sehr! Ich möchte noch was erzählen dazu. Als es 1995 bekannt wurde, dass wir bald schliessen müssen, kam eines Tages Peter Strub vom Quartieverein ins Restaurant und hat gefragt, ob er ein Foto von uns machen darf, er wolle einen kleinen Bericht mit Foto in die Quartierzeitung schreiben um uns zu unterstützen.

QV: Der Bericht muss aber fast in die erste Ausgabe der Zeitung gekommen sein, da der Verein 1995 gegründet wurde. Ich kann mal im Archiv nachschauen.

AS: Also der Ort wo wir uns wohl fühlen und wir gerne sind ist hier. Auch mit dem Quartierverein….

BS: …..und den Nachbarn haben wir’s sehr gut, viele kennen wir persöhnlich.

AS: Letztes Jahr am 15. Oktober – das fünfundzwanzigste war nicht möglich – haben wir das sechsundzwanzigste Jubiläum gefeiert an einem Sonntag und haben Gäste und Nachbarn eingeladen. Es sind etwa 200 Leute vorbei gekommen und haben uns begrüsst und wir haben zusammen geplaudert. Das war wirklich sehr schön. Wir möchten das gerne mal wiederholen.