Basel lässt in Innenstadt lauter spielen als Zürich

Dieses Bild stammt von der Website der Zürcher Lärmschutzstelle. Die ist an der Limmat beim Tiefbau untergebracht.

In der Basler Innerstadt gelten für Musikanlässe liberalere Lärmschutzwerte als in Zürich. Basler Ohren haben also einen mehrfach höheren Schalldruck auszuhalten (oder zu geniessen) als jene an Zürcher Köpfen. Dies steht in einer Antwort der Basler Lärmschutzbehörde auf den Vorwurf von Kulturstadt Jetzt Basel, in Basel habe man klammheimlich die Vorschriften für Bassfrequenzen verschärft und töte damit bestimmte Musikstile. Wörtlich heisst es dazu:

Bei der Bewilligung von Musikveranstaltungen im Freien gehört Basel zu den liberalsten Städten der Schweiz. So sind sogar in der Innenstadt Musikkonzerte bis zu einer Lautstärke von 100 dB(A) möglich, mit der Empfehlung, eine Differenz zwischen dB(C) und dB(A) von 14 einzuhalten. In Zürich z.B. liegt der Grenzwert für OpenAir Veranstaltungen in der Innenstadt bei dB(C) 100, was soviel heisst, dass bei basslastiger Musik mit einer Differenz zwischen dB(C) und dB(A) von 14, maximal eine Lautstärke von 86 dB(A) erlaubt ist. Wenn man bedenkt, dass 3 dB eine Verdoppelung des Schalldrucks bedeuten, so kann man sich vorstellen, dass dies einiges ruhiger als in Basel daherkommen muss.

In der Antwort der Lärmschutzstelle auf die heute in den Medien verbreitete Lärm-Klage wird bestritten, dass sich irgendetwas geändert hat, dass man willkürlich verfahre und eigene Gesetzlichkeiten verfolge. Das Ganze beruhe auf dem eidgenössischen Umweltschutzgesetz und man spreche sich da in einem Lärmzirkel (Cercle de bruit) im Vollzug unter den Kantonen ab.

Eine ähnliche Antwort hatte auch RR Christoph Brutschin am „Stadtgespräch“ von Montag im Hotel Drei Könige gegeben, wo es um die Frage ging, wieviel Lärm denn die Stadt vertrage

Die ganze Mitteilung ist hier zu lesen. Man darf gespannt sein, wie die Diskussion jetzt weiter geht und ob gar jemand in Basel verlangt, dass man mit Zürich gleichzieht. Die Stadt an der Limmat hat allerdings weit mehr Ausweichmöglichkeiten und Orte, wo es laut werden kann. Vielleicht müsste man halt doch in solchen Dingen auch das umliegende Land „mitdenken“, wie jemand am Stadtgespräch vorgeschlagen hatte.

Wie die Frequenzbewertung gehandhabt wird, kann man in Wikipedia hier nachlesen. Keine einfache Sache.

Kommenden Mittwoch wird in der Kaserne über das sogenannte „Clubsterben“ diskutiert. Mit auf den Podium auch Peter Mohler, der Leiter der Basler Lärmschutzstelle im Wirtschaftsdepartement.

Inzwischen hat sich auch Thomas Kessler, Stadtentwickler im Präsidialdepartment zum Thema geäussert, unterscheidet zwischen feinsinnigen urbanen Lateinern, die mit städtischer Dichte umzugehen wisse, und den alemannischen Wild- und Waldmenschen, denen halt die „kollektive Erinnerung“ daran fehle, und hält Basels im Wirtschaftsdepartement verwaltete Lärmregeln für Unsinn. Alles ein Wohlstandsproblem, man muss nur aufeinander zugehen. Der Tadel wird an alle verteilt:

«Spiesser sind nicht nur Behörden und Anwohner, die den Lärm verbieten wollen, sondern auch diejenigen, die sich für progressiv halten, aber einen Gartenzwerg in sich haben.»

Jetzt fehlen noch die Stimmne aus den übrigen fünf Departementen: Bauen, Gesunden, Zahlen, Sichern und Erziehen.